Wirtschaft : Bosch entwickelt das Auto mit Gefühl

Zulieferer ist für den weiteren Konjunkturverlauf skeptisch / Im ersten Quartal nur ein Prozent Wachstum

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Berlin (alf). Die Robert Bosch GmbH korrigiert ihre Erwartungen für dieses Jahr. Der zweitgrößte Autozulieferer der Welt wollte ursprünglich um zwei Prozent wachsen. Nachdem es bis März aber nur ein Plus um ein Prozent gegeben habe, „wird es immer schwieriger, die zwei zu erreichen“, sagte Hermann Scholl, Vorsitzender der BoschGeschäftsführung, am Donnerstag in Berlin. Der Gewinn soll mindestens das Vorjahresniveau erreichen. Im letzen Jahr hatte Bosch bei einem Umsatz von 35 Milliarden Euro (plus drei Prozent), ein Vorsteuerergebnis von 1,4 Milliarden Euro erreicht. Die Umsatzrendite von 4,1 Prozent liegt deutlich unter der Zielmarke von sieben Prozent. Franz Fehrenbach, der im Juli die Bosch-Geschäftsführung übernimmt, will mit einem Kostensparprogramm bis spätestens 2005 die Zielrendite erreichen. „Wir werden massiv das Thema Ertragsorientierung angehen“, sagte Fehrenbach. Die Bosch-Geschäfsführung legte die Bilanz erstmals in der neuen Hauptstadtrepräsentanz des Unternehmens vor.

Scholl betonte, Bosch wolle mit der Übernahme des Heizungsbauers Buderus die Abhängigkeit des Unternehmens von den Autoherstellern lockern. Zwei Drittel des Umsatzes entfällt auf Autozulieferungen. „In der Kfz-Technik ist die Rendite eher geringer als bei Industrietechnik und Gebrauchsgütern“, sagte Scholl. Selbst bei Dieselsystemen, wo Bosch lange eine Monopolstellung hatte, verschärfe sich inzwischen der Wettbewerb. Scholl zufolge arbeitet Bosch derzeit an einer weiter entwickelten Benzindirekteinspritzung, die den Verbrauch senken soll. Ein neues Common-Rail-System (siehe Lexikon Seite 20) werde die Emissionen „nochmals um bis zu 20 Prozent senken“. Bosch, nach Delphi und vor Visteon der weltweit zweitgrößte Autozulieferer, hat im vergangenen Jahr mehr als 2600 Erfindungen zum Patent angemeldet. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen um knapp zehn Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Derzeit forschen und entwickeln 20000 Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker für Bosch.

Scholl beklagte die Abhängigkeit von „wenigen, sehr starken Einkäufern“ auf Seiten der Autohersteller. So werde „die Innovationsprämie für Vorleistungen immer geringer“. Bosch habe für die Hochdruck-Dieseleinspritzsysteme seit Mitte der 90er Jahre 4,6 Milliarden Euro investieren müssen, für elektronische Bremsregelsysteme seien es 2,2 Milliarden Euro gewesen. Zurzeit entwickelt Bosch vor allem die Umfeldsensorik weiter. „Mit einer Kombination aus Ultraschall-, Radar- und Videosensoren wird das Auto sensitiv“, kündigte Scholl an. Der Autofahrer bekomme dadurch eine bessere Nachtsicht, er werde vor dem Sekundenschlaf gewarnt und im Stop-and-go-Verkehr fahre das Auto automatisch. „Erste Erzeugnisse auf der Basis der Videosensorik werden schon in zwei Jahren auf den Markt kommen“, kündigte Scholl an.

Zur geplanten Übernahme der Buderus AG sagte die Bosch-Geschäftsführung, ein Anteil von „50 plus 1“ sei das Minimum. Bosch hatte vor kurzem ein 30-Prozent-Paket von Bilfinger und Berger an Buderus übernommen und besitzt nun rund 47 Prozent. Ob die Commerzbank ihren Buderus-Anteil von 10,5 Prozent verkaufen will, wusste Scholl nicht zu sagen. Anfang Mai will Bosch jedenfalls den übrigen Buderus-Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten.

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