Wirtschaft : Bosch-Siemens regt neue Gespräche an

Manager: Spandauer Werk könnte gerettet werden Die Kosten müssen weiter sinken, fordert der Konzern

Carsten Brönstrup

Berlin - Im Konflikt um die Rettung des Waschmaschinenwerks von Bosch-Siemens (BSH) in Spandau hat das Unternehmen die Bereitschaft zu Gesprächen mit den Arbeitnehmern signalisiert. „Meine Tür steht immer offen. Wenn mir jemand ein Papier mit den erforderlichen Unterschriften auf den Tisch legt, das das notwendige Einsparungspotenzial beinhaltet, werde ich mich dem nicht entziehen können“, sagte Werksleiter Günther Meier dem Tagesspiegel am Mittwoch. In diesem Fall sei ein Erhalt einer Teilproduktion durchaus möglich.

An dem Standort arbeiten 1050 Beschäftigte. Sie wollen an diesem Donnerstag gegen die Schließung der Produktion demonstrieren. „Wenn es um die Existenz von 600 Menschen und ihrer Familien geht, darf auch das Unternehmen BSH keinen Versuch unterlassen, Arbeitsplätze in Berlin zu erhalten“, erklärte IG-Metall Sekretär Luis Sergio.

Die Kosten in Spandau sind laut BSH zu hoch. Um das Werk weiterzuführen, hatte das Unternehmen im Sommer angeboten, 270 der 570 Arbeitsplätze in der Fertigung zu streichen und die Produktion von 370 000 auf 200 000 Geräte zu reduzieren. Die verbleibenden Arbeitnehmer hätten zudem einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit und Lohnkürzungen zustimmen müssen – so sollten pro Jahr zehn Millionen Euro an Einsparungen bei den Personalkosten zusammen kommen. Den gleichen Betrag wollte BSH tragen. Meier: „Bedingung von BSH ist, dass wir keinen Verlust von mehr als zehn Millionen Euro pro Jahr hinnehmen müssen. Das ist schon eine bedeutende Summe, daran wird nicht gerüttelt.“

Betriebsrat und IG Metall hatten die Forderung der Werksleitung aber zurückgewiesen, daraufhin hatte BSH die Verhandlungen Ende Juli beendet. Mehrere Einigungsversuche zwischen Konzern und Arbeitnehmern waren in den vergangenen Wochen erfolglos geblieben. BSH zufolge waren die Angebote des Betriebsrates nicht ausreichend. Wie hoch der derzeit fehlende Einsparbetrag ist, der noch zwischen den Vorschlägen von BSH und dem Angebot der Arbeitnehmer liegt, wollte Meier nicht sagen. „Es ist aber falsch zu behaupten, dass das Unternehmen sich nicht bewegt.“

Eine Fortführung des Werks bedeute „beträchtliche Chancen“, in den kommenden Jahren den Zuschlag für die Herstellung neuer Produkte in Spandau zu bekommen, unterstrich der Manager. Sollten sich Betriebsrat und IG Metall aber nicht bewegen, erschienen neue Verhandlungen sinnlos. Auch die Gespräche zwischen der IG Metall und dem Metall-Arbeitgeberverband, die die Gewerkschaft vergangene Woche zur Suche nach einem Kompromiss angeregt hatte, änderten an der Haltung von BSH grundsätzlich nichts. „Wenn keine deutliche Bewegung erkennbar ist, bleibt es bei Verhandlungen über die Schließung für Anfang 2007“, sagte Meier.

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