Wirtschaft : Bosch unter Druck wegen Einspritzpumpe

Zehntausende BMW und Mercedes betroffen/Nach 10000 Kilometern könnten Autos stehen bleiben

Alfons Frese

Berlin - Vermutlich rund 13000 BMW und Mercedes-Benz-Fahrzeuge in mindestens ähnlicher Größenordnung haben defekte Diesel-Einspritzpumpen von Bosch. Von Ende November an hatte Bosch die anfälligen Pumpen ausgeliefert, so dass vor allem im Dezember und Januar Autos mit der Pumpe ausgerüstet wurden. Es besteht aber wohl keine akute Gefahr: Nach längerem Gebrauch – im Gespräch sind Laufzeiten zwischen 10000 und 20000 Kilometer – fällt die Pumpe aus. Das Auto bleibt dann einfach stehen. Betroffen sind 3er, 5er und 7er BMW, die Geländewagen X5 und X3 sowie Mercedes-Benz der C-, E- und S-Klasse. Ob Autos zurückgerufen werden, ließen die Hersteller am Montag offen. Favorisiert wird eher die Auswechslung der schadhaften Pumpe im Rahmen planmäßiger Werkstattaufenthalte. Die Autofahrer, die betroffen sein könnten, werden angeschrieben.

Bei Bosch gab man sich am Montag zugeknöpft. Zwar räumte das Unternehmen ein, Probleme mit der Einspritzpumpe zu haben. Über deren Art gab es indes keine Auskunft. „Wir sind dabei, das Problem einzukreisen und streben eine kurzfristige Lösung an“, sagte Bosch-Sprecher Richard Backhaus auf Anfrage. Das Problem sei „im Laufe der letzten Woche aufgetaucht“. Nach Informationen der „Stuttgarter Nachrichten“ hat Bosch von dem Lieferanten Glyco aus Wiesbaden eine Buchse bezogen, deren Beschichtung verschleißanfällig ist. Offenbar hält die Beschichtung eine längere Belastung nicht aus. Glyco wiederum habe das Material mit der schadhaften Beschichtung selbst eingekauft. Bei möglichen Schadenersatzverpflichtungen will Bosch dann auch „die gesamte Prozesskette anschauen“, deutet Unternehmenssprecher Backhaus eine mögliche Haftung der Lieferanten an.

Von der Diesel-Einspritzpumpe für das Common-Rail-System produziert Bosch fünf Millionen im Jahr. Jede Pumpe kostet mehr als tausend Euro. Zu den Kunden gehören neben Mercedes und BMW auch Audi, PSA und Renault sowie Hyundai. VW verwendet mit der Pumpe-Düse-Technologie ein anderes System und ist deshalb von der aktuellen Panne nicht betroffen. Im Common- Rail-System wird Kraftstoff genau dann in den Zylinder gespritzt, in dem die Verbrennung stattfinden soll. Deshalb ist Common Rail flexibler bei der Einspritzung als das VW-System. Dafür ist bei Pumpe-Düse der Einspritzdruck höher.

BMW muss in der kommenden Woche eine dreitägige Produktionsunterbrechung im Werk Dingolfing in Kauf nehmen, da noch nicht wieder genügend einwandfreie Einspritzpumpen zur Verfügung stehen. Dagegen gibt es bei Audi und Mercedes bislang keinen Produktionsstopp. Bei Audi sind nach Unternehmensangaben nur zwei Dieselmotoren betroffen, von denen einer noch gar nicht auf dem Markt ist. Entsprechend vernachlässigbar sei die Gefahr, dass Audis betroffen seien. Mercedes lässt in den Werken Sindelfingen und Bremen anstelle von Diesel-Pkw mehr Autos mit Benzinmotor produzieren. Allerdings gab es am Abend Meldungen, wonach am kommenden Montag und Dienstag in Sindelfingen keine Autos gebaut würden. Wie viele Fahrzeuge bereits mit einer anfälligen Einspritzpumpe unterwegs sind, wusste ein Daimler-Chrysler-Sprecher nicht zu sagen.

Manche Hersteller sind verärgert, weil es „nicht das erste Mal ist, das es mit diesem Bauteil Probleme gibt“, wie ein Branchenvertreter sagte. Für den Gelsenkirchener Automarktexperten Ferdinand Dudenhöffer ist die anfällige Pumpe „wie ein Elchtest für Bosch“. Der Konzern müsse das Problem schnell lösen, denn der Dieselbereich sei einer der profitabelsten des Unternehmens. Bei einem Kurventest („Elchtest“) war vor Jahren die Mercedes A-Klasse kurz vor der Markteinführung umgekippt und musste nachgerüstet werden.

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