Boykott beendet : "Heute Abend wieder Milch liefern"

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber, hat die Milchbauern am Donnerstag zum Ende des Lieferboykotts aufgerufen. "Ich fordere sie auf, ab heute Abend wieder Milch zu liefern".

Berlin"Die letzte Bastion bei den Discountern wird bald fallen", sagte Schaber vor mehreren tausend Bauern am Brandenburger Tor in Berlin. Der Discounter Lidl hatte zuvor angekündigt, den Milchpreis zu erhöhen. Vom Montag an soll der Liter Milch zehn Cent höher sein. Es gebe so gut wie keine Handelskette, die nicht die Milchpreise erhöhen wolle, verkündete Schaber den Demonstranten. Es sei aber noch ein langer Kampf, bis davon etwas bei den Bauern ankomme.

Lieferboykott, Molkereiblockaden, Demos vor Konzernzentralen: Für zehn Tage herrschte ein Ausnahmezustand, den der Normalverbraucher sonst nur von Bildern aus dem Ausland kennt. Einige Händler warnten in den vergangenen Tagen bereits, dass Milch in den Regalen knapp zu werden droht. Die protestierenden Milchbauern gingen nach Ansicht von Rechtsexperten mit manchen Aktionen jedoch juristisch auch ein hohes Risiko ein. Das Bundeskartellamt nahm wegen des Aufrufes zum Milch-Lieferstopp Ermittlungen gegen den Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter auf. Einige Molkereien kündigten in den vergangenen Tagen rechtliche Schritte wegen der Blockaden an.

Landwirte trafen die Discounter an der Achillesferse

Auslöser der bundesweiten Proteste war ein Preisrutsch im April. Gleich mehrere Handelsriesen senkten die Preise für Milch um 12 Cent je Liter. Bei frischer fettarmer Milch machte das einen Rückgang um 18 Prozent aus. Nach Meinung von Branchenkennern nutzten die Handelskonzerne ein Überangebot an Milch im Markt für Preissenkungen. Für die Landwirte eine schlechte Nachricht: "Unsere Milchbauern können angesichts dramatisch gestiegener Kosten kaum mehr schlafen", schilderte der Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes, Friedhelm Decker. Futter habe sich um über 40 Prozent verteuert, Düngemittel um über 50 Prozent und Energie um über 25 Prozent.

Die wütenden Landwirte trafen die Discounter an der Achillesferse: Milchprodukte sind Kassenschlager, an denen große Umsätze hängen. So machen die Discounter mit keinem anderem Produkt mehr Umsatz als mit Käse. Auch Milch und Fruchtjoghurt gehören zu den zehn am häufigsten gekauften Produkten bei den Discountern, wie Marktforscher berichten. Doch die protestierenden Bauern drehten nicht nur den Milchhahn zu. Ihre Frauen kauften bei Discountern in den vergangenen Tagen verstärkt Milchprodukte, die dann teilweise an Verbraucher verschenkt wurden. Damit sollten die Aufmerksamkeit und der Druck erhöht werden.

Neue Milchknappheit befürchtet

"Wir haben sehr viel Zuspruch erhalten. Die Verbraucher standen fast alle hinter uns", berichtet der Sprecher des BDM für den Rhein- Sieg-Kreis, Heinrich Trimborn. Das zeigten auch jüngste Umfragen. Die höheren Zahlungen könnten den Handelsriesen allerdings auch als Argument dienen, wenn sie demnächst Kunden über Preiserhöhungen informieren.

Möglicherweise drohen dann auch wieder Milchprodukte knapp zu werden, diesmal weil sich Verbraucher mit Hamsterkäufen noch zu den günstigeren Preisen eindecken wollen. Die Marktforscher von AC-Nielsen fanden heraus, dass die Haushalte Ende Juli ihre Milchkäufe um ein Viertel, ihre Butterkäufe sogar um mehr als ein Drittel steigerten - nachdem Preiserhöhung angekündigt wurden. (ck/dpa)

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