Wirtschaft : BP-Amoco schluckt US-Konkurrent Arco

LONDON (rtr/AP/AFP).Die Konzentrationswelle in der internationalen Mineralölindustrie schreitet weiter voran: Der erst vor kurzem fusionierte Öl-Riese BP Amoco will jetzt bis zum Jahresende im Rahmen eines Aktientauschs den US-amerikanischen Konzern Atlantic Richfield (Arco) für 26,8 Mrd.Dollar (umgerechnet rund 48,8 Mrd.DM) übernehmen und setzt sich damit an die Spitze der privaten Ölförderunternehmen.Dem Schritt müssen noch Aktionäre und Kartellbehörden zustimmen.Nach Ankündigung der Übernahme am Donnerstag kletterte das maßgebliche Börsenbarometer der Londoner Börse, der FTSE-Index der 100 wichtigsten Aktienwerte, auf ein Allzeithoch.Der Kurs von BP-Amoco gab hingegen leicht nach.Analysten verwiesen darauf, daß es bereits Anfang der Woche Spekulationen über die Übernahme gegeben habe.

Beide Firmen ergänzten sich hervorragend und hätten gemeinsam immense Wachstumschancen, sagte BP-Amoco-Chef John Browne in London.Mit einem Marktwert von 190 Mrd.Dollar wäre der neue Öl-Multi nach dem US-Konzern Exxon, der sich mit Mobil zusammenschließt, der zweitgrößte börsennotierte Energiekonzern.Auf Platz drei folgt Royal Dutch/Shell.BP hatte erst vor drei Monaten mit dem US-Konzern Amoco fusioniert.Der anhaltende Preisverfall für Rohöl hatte in der Branche eine Fusionswelle ausgelöst.Als BP die Fusion im vergangenen August bekanntgegeben hatte, waren die Rohölpreise auf den niedrigsten Stand seit über 20 Jahren gesunken.

Die Arco-Aktionäre sollen für jede eigene Aktie 0,82 BP-Amoco-Titel erhalten, erklärten die Briten.Dies entspräche einer Prämie von 26 Prozent gegenüber dem Arco-Kurs vor Bekanntwerden der Verhandlungen.Im Gegenzug will das Arco-Management die Unternehmensleitung vollständig abgeben.

Konzernchef Browne sprach von einem strategischen Geschäft.Die neue Gesellschaft werde 3,5 Prozent der weltweiten Ölförderung bestreiten.Browne sagte, durch die Fusion ergäben sich von 2001 an Einsparungen von einer Mrd.Dollar, und zwar zusätzlich zu den bereits von Arco angestrebten Kostensenkungen von 500 Mill.Dollar und den 2,5 Mrd.Dollar durch die Fusion von BP und Amoco.Auch die 2000 Stellen, die gestrichen werden, addieren sich zu den 10 000 Arbeitsplätzen, die die BP-Amoco-Fusion kostet.Exxon und Mobil wollen sich im Zuge ihres Zusammengehens von rund 9000 Mitarbeitern trennen.Vor allem sind davon die Belegschaften in den USA betroffen.Jedoch beschäftigen die Konzerne dann immer noch insgesamt 220 000 Menschen.

Der BP-Amoco-Chef verwies darauf, mit der Übernahme sei der Konzern auch an der Westküste der USA und damit landesweit vertreten.Nach Ansicht von Experten könnte es wegen der dominierenden Position beider Firmen in Alaska zu kartellrechtlichen Problemen kommen.Allerdings erklärte BP Amoco, im Zuge der Fusion werde sich der Konzern von Vermögenswerten in Höhe von rund 3 Mrd.Dollar trennen.

Branchenanalysten sprachen von einem Coup des größten britischen Konzerns und äußerten sich zuversichtlich, daß Vorstandschef Browne die angekündigten Kosteneinsparungen auch verwirklichen könne.BP habe bewiesen, wie man Fusionen manage.Seit der Ankündigung der Fusion von BP und Amoco hat der Börsenwert des Konzerns bereits um 50 Mrd.Dollar zugelegt.

Fachleute erklärten, BP Amoco beseitige mit der Übernahme von Arco einen der aggressivsten Konkurrenten.Der Konzern bekomme durch die Transaktion Anteil an einem großen Gasvorkommen in Indonesien sowie Aktivitäten im Golf von Mexiko, der Nordsee, dem Kaspischen Meer, Algerien, Venezuela und Thailand.Fachleute rechnen nun mit weiteren Fusionen.Insbesondere der Shell-Konzern dürfte sich jetzt bewegen, hieß es.



Schwarzes Gold im Überfluß?

Martina Ohm

Ölpreise sind immer falsch.Entweder ist das Öl für manche zu billig oder eben für viele zu teuer.Erinnern Sie sich noch, als man nur Fußgänger und Fahrradfahrer auf Deutschlands Autobahnen traf, als Benzin- und Heizölpreise dramatisch kletterten und die Nation erbittert über die Einführung eines autofreien Sonntags im Monat stritt? Unermüdlich warnte der Club of Rome vor der Ausbeutung endlicher Ressourcen.Anfang der 70er Jahre weckte der doppelte Ölpreisschock die westliche Industriewelt aus ihrer Lethargie.Und heute? Das Ölkartell Opec erwies sich Jahrzehnte lang als zahnloser Tiger, und grün scheint mainstream-mäßig zur Zeit auch out.Nicht, daß die ökologische Bewegung nichts bewerkstelligt hätte.Ganz im Gegenteil.Die Erfolge einer bewußten Spar- und Diversifikationspolitik führten gerade mit dazu, daß das schwarze Gold heutzutage nahezu im Überfluß vorhanden ist - und im Vergleich spottbillig.Von Endzeitstimmung keine Spur.Für die Mineralölmultis aber bleibt der anhaltende Druck auf die Ölpreise - und Gewinnspannen im Raffineriegeschäft - nicht ohne Folgen.Richtiges Geld verdient die Branche auf lange Sicht nur noch im Schulterschluß.Also dreht sich das Fusionskarussell immer schneller, und BP dreht sich mit.

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