Wirtschaft : BP-Chef hat genug von der Pest

Tony Hayward will aussteigen. Dem Rücktritt des Managers dürfte der Verwaltungsrat heute zustimmen

von
Foto: promo
Foto: promo

Berlin - „Ich will mein Leben zurück“ – für diese mehr als ungeschickte Äußerung im amerikanischen Fernsehen hat sich Tony Hayward später entschuldigt. Doch sie beschreibt sehr gut, wie sich der BP-Chef offenbar die ganze Zeit gefühlt und wie er auch agiert hat. Statt die Bekämpfung der Ölpest tatkräftig anzugehen und mit offenen Karten zu spielen, hat der britische Topmanager den Eindruck vermittelt, dass für ihn die Ölkatastrophe vor allem eines ist: lästig. Nun hat Hayward offenbar mit dem Verwaltungsrat seinen Rücktritt verhandelt. Das melden britische Medien, unter anderem der Sender BBC. Bei einem Direktoriumstreffen am heutigen Montag gehe es neben den Zahlen für das zweite Quartal, die BP am Dienstag bekannt gibt, auch um die Zukunft von Hayward, sagten mit der Angelegenheit Vertraute der Nachrichtenagentur Reuters. Im Mittelpunkt stehe eher die Frage, wann und nicht ob Hayward seinen Posten räumen müsse.

Ein Sprecher des BP-Konzerns sagte dem Tagesspiegel auf Anfrage am Sonntag, Tony Hayward habe die volle Unterstützung des Verwaltungsrats, und das Unternehmen nehme zu Spekulationen nicht Stellung. Tatsächlich melden mehrere Medien aber bereits den Namen des möglichen Nachfolgers: Bob Dudley. Der US-Amerikaner sitzt seit April 2009 im Vorstand des britischen Konzerns und hatte im Juni von Hayward die operative Leitung der BP-Einsätze zur Bekämpfung der Ölkatastrophe übernommen.

Es gebe im Verwaltungsrat seit langem die Überzeugung, dass ein Wechsel an der Spitze unvermeidlich sei, berichtet ein Reporter der BBC im Internet. Das Gremium wolle zeigen, dass BP verstanden habe, wie groß der finanzielle Schaden sei und wie schwer die Reputation des Unternehmens durch die Ölkatastrophe beschädigt wurde. Das Gremium habe Hayward aber erst dann opfern wollen, wenn ernsthafte Erfolge bei der Bekämpfung der Ölpest erzielt wurden und absehbar sei, welche Kosten entstehen.

Der 53-jährige Hayward arbeitet seit 28 Jahren für BP. Seit 2007 steht der promovierte Geologe an der Spitze. Er übernahm einen Konzern, der auch damals schwer angeschlagen war. 2005 waren 15 Mitarbeiter in einer Raffinerie in Texas ums Leben gekommen. Ein Jahr später flossen im größten Ölfeld Alaskas fast eine Millionen Liter Öl aus einer durchgerosteten BP-Pipeline. Damals versprach Hayward, BP zu verändern, den Konzern sicherer, verlässlicher zu machen. Er wolle das Vertrauen in den Konzern wiederherstellen, sagte er.

Doch längst ist Hayward – vor allem für die Amerikaner – zu einer Hassfigur geworden. Nicht nur, dass Erfolge bei der Bekämpfung der Ölpest zu lange auf sich warten ließen, BP machte unter Hayward einfach zu viele Fehler: Allein vergangene Woche musste der Konzern einräumen, manipulierte Fotos vom Einsatz gegen die Ölpest veröffentlicht zu haben. Berichte über einen zu laxen Umgang mit Sicherheitsvorkehrungen gab es von Anfang an. Zuletzt berichtete der Chefelektriker Mike Williams, Teile der Alarmanlage auf der havarierten Bohrinsel seien außer Betrieb gewesen. Zudem gibt es Vorwürfe, BP habe Wissenschaftler gekauft, um Informationen über das Unglück besser kontrollieren zu können.

Die Bohrinsel „Deepwater Horizon“ war am 20. April explodiert und anschließend gesunken. Sie löste die größte Ölkatastrophe in der Geschichte der USA aus. Elf Arbeiter kamen ums Leben. Inzwischen gilt der angeschlagene Konzern als mögliches Übernahmeziel. Experten schätzen die Kosten der Katastrophe auf bis zu 100 Milliarden Dollar. Ein Teil davon ist ein Entschädigungsfonds mit einem Volumen von 20 Milliarden Dollar. Dessen unabhängiger Verwalter, Kenneth Feinberg, warf BP vor, Zahlungen an Geschädigte zurückzuhalten. „Ich bezweifle, dass sie aus Geldgründen verzögern. Das ist es nicht“, sagte Feinberg in Alabama. BP wisse wohl einfach keine Antworten auf die Fragen der Geschädigten. Entlang der Golfküste wurden tausende Geschäfts- und Privatleute von der Ölpest hart getroffen. Viele Fischer verloren ihre Lebensgrundlage.

0 Kommentare

Neuester Kommentar