Wirtschaft : BP: Es bleibt eng auf dem Ölmarkt

Bernd Hops

Berlin - Ein Versorgungsengpass beim Öl ist in diesem Jahr zwar nicht zu befürchten. Eine spürbare Entspannung auf den Ölmärkten wird jedoch auf sich warten lassen. Das sagte Peter Davies, Chefvolkswirt des britischen Ölkonzerns BP, am Dienstag in Berlin. Zunächst müssten wieder mehr freie Förderkapazitäten aufgebaut werden. Immerhin droht in diesem Jahr offenbar keine große Überraschung bei der Nachfrage wie 2004, als niemand mit einer drastischen Zunahme vor allem aus China gerechnet hatte. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) korrigierte ebenfalls am Dienstag ihre Prognose für den weltweiten Ölbedarf erstmals seit langem wieder nach unten – wenn auch nur leicht. Wesentlicher Grund ist das moderate Wachstum der Nachfrage in China im bisherigen Jahresverlauf.

Vergangene Woche waren an den Ölbörsen erneut Rekordmarken erreicht worden. In New York kostete ein Barrel (159 Liter) zwischenzeitlich mehr als 58 Dollar. Mittlerweile ist der Preis zwar auf unter 53 Dollar gesunken – doch im Vergleich zu den vergangenen Jahren liegt er damit weiter recht hoch. Im Schnitt kostete ein Barrel 2004 etwa 38 Dollar, sagte BP-Chefökonom Davies – in diesem Jahr seien es bisher aber schon 48 Dollar. „Und der Markt wird weiterhin recht eng bleiben. Die Anpassungen, die durch den hohen Preis ausgelöst wurden, brauchen Zeit.“

Einen tatsächlichen Engpass befürchte er nicht, sagte Davies. Es werde weiterhin genug Öl gefördert, um die Nachfrage – derzeit etwa 84 Millionen Barrel pro Tag weltweit – zu befriedigen. Doch seien die Märkte durch die vergleichsweise niedrigen freien Förderkapazitäten beunruhigt. „In den 90er Jahren lagen die freien Kapazitäten bei etwa drei Millionen Barrel pro Tag. Heute ist es etwa eine Million Barrel“, sagte Davies. Der Grund: In Zeiten niedriger Ölpreise – Ende 1998 kostete ein Barrel weniger als zehn Dollar – wurde weniger investiert. Zwischen 1997 und 2002 habe es keine Produktionssteigerung bei der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) gegeben, sagte Davies. Doch neue Projekte brauchen Zeit, bis ihr Öl auf den Markt gelangt. Von der Erschließung eines Feldes bis zum Produktionsbeginn dauere es in der Regel mindestens sieben Jahre, sagte Davies.

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