BP-Prognose bis 2030 : Erneuerbare werden eine Randerscheinung bleiben

Bei BP ist man sicher: Die Erneuerbaren werden auch in zwei Jahrzehnten weltweit keine großen Rolle spielen. Der Grund: Gas und Öl werden künftig viel billiger als gedacht.

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Grafik: Tsp/Gitta Pieper-Mayer

Berlin - Zwar kann niemand verlässlich sagen, wie unsere Welt in zwei Jahrzehnten aussehen wird. Ein paar Dinge aber gelten unter Zukunftsforschern als gesetzt: Es wird deutlich mehr Menschen geben. Die Wirtschaftstätigkeit wird insgesamt wachsen. Und das alles geht nur mit deutlich mehr Energie. Wer diese wie, wann und wo produziert – das vorherzusagen, ist die große Kunst.

Der britische Energiekonzern BP unterhält eine Prognostik-Abteilung. Deren Mitarbeiter sollen globale Megatrends identifizieren, um dem Vorstand die Grundlage für Investitionsentscheidungen zu geben. Vor fünf Jahren entschied sich BP erstmals, deren jährlich erstellten „Energy Outlook“-Bericht zu veröffentlichen. Am Donnerstag stellte BPs Chefvolkswirt Christof Rühl in Berlin die Ergebnisse der Prognose bis zum Jahr 2030 vor. Ein Fazit: Die erneuerbaren Energien werden zwar am schnellsten wachsen. Die neuen Fördermethoden für Erdöl und Erdgas (Fracking) werden aber dazu führen, dass auch die fossilen Energieträger zulegen. „Die Peak-Oil-Debatte ist tot für die nächsten 50 Jahre“, sagte Rühl mit Blick auf die bis vor drei Jahren noch viel diskutierte Theorie, wonach die Ölförderung weltweit ihren Zenit schon überschritten hat, da die wichtigsten Lagerstätten zur Neige gehen.

In 18 Jahren, so Rühls Vorhersage, werden lediglich sechs bis sieben Prozent der weltweit benötigten Energie (für Strom, Industrie und Verkehr) regenerativ erzeugt. Damit wäre dieser Sektor so (un)bedeutend wie die Kernkraft. Öl und Kohle dürften im globalen Energiemix nur relativ an Bedeutung verlieren und jeweils nur noch für rund 30 Prozent der gesamten Energieversorgung stehen. Gas werde seinen Marktanteil auf rund 25 Prozent Marktanteil steigern. In absoluten Zahlen aber werden alle Energieträger zulegen. Vor allem die Stromproduktion wird wegen der weiteren Elektrifizierung in den Entwicklungs- und Schwellenländern an Bedeutung gewinnen. Der Bedarf an Strom dürfte fast 50 Prozent höher liegen als im Basisjahr 2011.

Das Wachstum der Bevölkerung, der Wirtschaftskraft und des Energiebedarfs kommt fast ausschließlich aus den Ländern, die (noch) nicht Mitglied in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), dem Club der heute 34 demokratisch verfassten Industriestaaten, sind. Zugleich seien es laut Rühl die alten Industriestaaten, die für den neuen Öl- und Gasboom verantwortlich sind. Die riesigen unkonventionellen Vorkommen für Gas und Öl seien nicht in den USA und Kanada erschlossen worden, weil diese Länder über einzigartige Geologie verfügen. Grund seien die Faktoren „über der Erdoberfläche“, wie zum Beispiel eine stark ausgeprägte und wettbewerbsintensive Dienstleistungsbranche, der Zugang zu Landflächen im Privatbesitz, Investitionsbereitschaft und Rechtssicherheit.

So seien die USA schon heute zum Exporteur von Kohle geworden, weil sie diese wegen des neuen Gasreichtums immer weniger brauchen. Schon bald würden sie auch Gas exportieren – und nur noch sehr wenig Öl einführen müssen. „Sollte etwas Schreckliches im Nahen Osten passieren, kann ich mir gut vorstellen, dass ein US-Präsident oder Präsidentin dann sagt: ’Ist uns doch egal. Wir haben genug Energie’.“

Ökologische Bedenken gegen die neuen Fördermethoden, teilt Rühl erwartungsgemäß nicht. Er verweist auf Europa, wo Fracking auf absehbare Zeit keine große Rolle spielen dürfte. Das relativ klimafreundliche Gas sei deshalb viel teurer als der schmutzige Brennstoff Kohle. Das schade der Energiewende. Kevin P. Hoffmann

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