Wirtschaft : BP zahlt Rekordstrafe nach Ölkatastrophe US-Behörden bekommen 4,5 Milliarden Dollar

Teure Katastrophe.
Teure Katastrophe.Foto: dapd

London - Der britische Ölkonzern BP hat sich wegen der Ölpest im Golf von Mexiko in einem Gerichtsverfahren mit US-Behörden zur Zahlung einer Rekordstrafe von 4,5 Milliarden Dollar bereit erklärt. Nicht berücksichtigt sind zivile Schadenersatzansprüche. Zudem bekannte sich der Konzern im Zusammenhang mit dem Tod von elf Ölarbeitern schwerer Straftaten und der Sabotage schuldig, weil das Unternehmen den US-Kongress über das wahre Ausmaß der Katastrophe belogen habe. Zudem müssten zwei BP-Mitarbeiter mit einer Anklage wegen fahrlässiger Tötung rechnen.

Die im Verfahren gegen das US-Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC erzielte Einigung auf 4,5 Milliarden Dollar (3,5 Milliarden Euro) ist die höchste Strafzahlung, die in den USA je gegen ein Unternehmen verhängt wurde. Es ist die höchste Strafzahlung, die ein Unternehmen in der US-Geschichte jemals leisten musste – auf Platz zwei steht der US-Pharmakonzern Pfizer, der 2009 wegen Marketingbetrugs 1,3 Milliarden Dollar zahlte.

Bei der Explosion der Förderplattform „Deepwater Horizon“ im April 2010 waren elf Menschen gestorben. 4,9 Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl liefen ins Meer. Ganze Küstenabschnitte wurden zerstört, mit erheblichen Folgen für die Natur und für die Wirtschaft.

Der Konzern hatte in seiner Bilanz 38 Milliarden Dollar für die Kosten der Katastrophe zurückgestellt. 14 Milliarden mussten die Briten bereits an Reparatur- und Reinigungskosten zahlen, etwa für das Stopfen des Lecks. Neun Milliarden Dollar wurden bereits an private Kläger ausgezahlt. Auf die Zahlung weiterer 7,8 Milliarden Dollar hat sich das Unternehmen mit Vertretern tausender Kläger geeinigt. Dieser Betrag ist noch nicht ausgezahlt und bedarf noch der gerichtlichen Bestätigung. Ob die Rückstellungen insgesamt ausreichen werden, wollte ein BP-Sprecher am Donnerstag nicht kommentieren.

Viele weitere Verfahren, die auch noch sehr teuer werden können, sind gegen BP noch anhängig und sollen im Januar verhandelt werden. Das US-Justizministerium hat in einer Klageschrift bereits formuliert, dass es BP „grobe Fahrlässigkeit“ und „vorsätzliches Fehlverhalten“ vorwirft. Das nun in der Strafzahlung mündende Verfahren räumt die im Januar anstehenden Klagen nicht aus.

Von den wirtschaftlichen Nachwirkungen des Desasters im Golf von Mexiko wurde BP schwer getroffen. Zeitweise rutschte das Unternehmen in die Verlustzone. Der Konzern trennte sich von seinem Vorstandsvorsitzenden Tony Hayward und ersetzte den Briten durch den US-Amerikaner Bob Dudley. Die neue Führung beschloss, zur Bezahlung des Schadens Unternehmensteile im Wert von mehr als 30 Milliarden Dollar abzustoßen. Bisher sind Firmenteile im Wert von 35 Milliarden Dollar entweder verkauft oder im Verkaufsprozess.rtr/dpa

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