Wirtschaft : Brandenburg in Sachen Produktivität an der Spitze der Neuen Länder

Imke Hendrich

Brandenburgs Wirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren zum Schrittmacher des Aufbaus Ost entwickelt. Wesentlichen Anteil daran dürfte die Lage rund um Berlin haben. Doch nicht nur der "Speckgürtel" macht das wirtschaftliche Potenzial des flächenmäßig größten neuen Bundeslandes aus. Nach dem Einbruch zahlreicher Wirtschaftszweige wie der Stahl- und der Textilindustrie zur Wendezeit brachten neue Ansiedlungen nicht nur große Namen, sondern auch wertvolle Industriearbeitsplätze in die Region.

Zwar zog es viele große Firmen wie Adtranz in Hennigsdorf, Mercedes in Ludwigsfelde oder BMW Rolls-Royce in Dahlewitz in den Speckgürtel. Aber einige der größten Projekte konnten in berlinfernen Regionen gehalten oder neu angesiedelt werden. Dazu zählen Eko Stahl in Eisenhüttenstadt, Pneumant in Fürstenwalde und BASF in Schwarzheide. Seit 1995 konnten auch durch neue Investitionen rund 100 000 Arbeitsplätze gesichert und geschaffen werden. Wenn dies nicht erreicht worden wäre, würde die Arbeitslosenquote (Juli 16,8 Prozent) nach Worten des scheidenden Wirtschaftsministers Burkhard Dreher heute um zehn Prozentpunkte höher liegen. Einen wichtigen Schub brachte die Ansiedlung von etwa 1000 Unternehmen, darunter Toleram aus Singapur in Premnitz, Coca-Cola in Genshagen oder die Cargo Lifter AG in Brand.

In den vergangenen vier Jahren konnte Brandenburg nach Drehers Auskunft mit einem Plus von insgesamt 20 Prozent das größte Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in Deutschland vorlegen. Gleichzeitig wurde die Produktivität im verarbeitenden Gewerbe auf inzwischen 81 Prozent des Westniveaus gesteigert. Damit liegt sie so hoch wie in keinem anderen der neuen Länder. Bei der Arbeitslosenquote liegt Brandenburg zwar weit über dem bundesdeutschen Durchschnitt von 10,1 Prozent (Juli), im Vergleich der ostdeutschen Länder jedoch im Mittelfeld.

Leitfaden der Wirtschaftspolitik in der Region ist das Konzept der sogenannten Dezentralen Konzentration, das eine ausgewogene Entwicklung aller Landesteile sicherstellen und gleichzeitig eine ungesteuerte Entwicklung des "Speckgürtels" um Berlin verhindern will. Berlin soll dabei als Wirtschafts- und Wissenschaftszentrum gestärkt und die Bedeutung der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam ausgebaut werden. Außerdem sind in dem Konzept regional zu fördernde Zentren wie Frankfurt (Oder), Brandenburg/Havel oder Cottbus, aber auch zentrale Orte in Randlagen wie Wittenberge und Schwedt festgelegt.

Seit 1995 wurden nach Drehers Angaben rund 5,1 Milliarden Mark aus der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" zur Ansiedlung, Erweiterung oder Modernisierung von Unternehmen sowie zum Ausbau der wirtschaftsnahen Infrastruktur und des Tourismus vergeben.

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