Wirtschaft : Brandenburger Sparkasse will Stiftung sein

Potsdamer Institut soll sich von Politik lösen

Stefan Kaiser

Berlin - Der Chef der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam (MBS) will die Sparkassen vor ihren Eigentümern schützen. Walter Schubert schlug am Mittwoch in Berlin vor, die öffentlich-rechtlichen Institute in Stiftungen einzubringen. So solle verhindert werden, dass die Sparkassen „zum Spielball“ der Politik werden können.

In Deutschland gehören die Sparkassen in der Regel den Kommunen und sind als Anstalten öffentlichen Rechts organisiert. Die Mittelbrandenburgische Sparkasse gehört sieben brandenburgischen Landkreisen und Städten. Sie ist die mit Abstand größte Sparkasse in Brandenburg. Ihr Chef Schubert schlägt nun vor, die MBS, aber auch andere Sparkassen in Stiftungen einzubringen, die von den Kommunen getragen werden. „Die Stiftung hat den Vorteil, dass die Träger nicht operativ eingreifen können“, sagte Schubert.

Der gebürtige Rheinländer fürchtet, dass Sparkassen von der Politik „erpresst“ werden können, wie es zuletzt in Nordrhein-Westfalen der Fall gewesen sei. Dort hatte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) die Sparkassen zwingen wollen, sich stärker an der Rettung der WestLB zu beteiligen. Ansonsten, so Rüttgers’ Drohung, werde man Sparkassen an die WestLB verkaufen.

Bisher dürfen Sparkassen in den meisten Bundesländern nicht verkauft werden. Doch es gibt immer mehr Ausnahmen: Eine betrifft die Berliner Sparkasse, die als Teil der Landesbank Berlin (LBB) im vergangenen Jahr vom Land an den Deutschen Sparkassen- und Giroverband verkauft wurde. Auch in Hessen und Nordrhein-Westfalen gibt es gesetzliche Bemühungen, die den Verkauf von Sparkassen möglich machen sollen. Schubert will so etwas mit seinem Vorschlag verhindern. „Wenn man Sparkassenfunktionen erhalten will, muss man darüber nachdenken“, sagte er.

Mit den Geschäftszahlen für das vergangene Jahr zeigte sich Schubert zufrieden. „Wir haben 2007 erneut ein ordentliches Wachstum realisieren können“, sagte er. Die Bilanzsumme sei um 3,8 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro gestiegen. Dabei stamme das Wachstum zum Großteil aus dem Geschäft mit den Kunden. Vor allem die Spareinlagen der Privatkunden legten deutlich zu – um 6,3 Prozent auf 204 Millionen Euro.

Wegen des harten Wettbewerbs hat die MBS allerdings Kunden verloren und zumindest operativ auch weniger verdient. Man habe Kunden an Banken abgeben müssen, die kostenlose Girokonten anbieten, räumte Schubert ein.

Das Betriebsergebnis vor Bewertung sank von 125 Millionen Euro auf knapp 112 Millionen Euro. Nach Steuern allerdings stieg der Jahresüberschuss um 4,2 Prozent auf 67 Millionen Euro. Für das laufende Jahr erwartet Schubert erneut ein sinkendes Betriebsergebnis. Auch einen Personalabbau unter den derzeit 1700 Mitarbeitern schloss der Sparkassenchef nicht aus. Stefan Kaiser

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