Wirtschaft : Brasilianische Notenbank erhöht Geldmarktzinsen

SAO PAULO (abu/rtr/HB).Die brasilianische Notenbank hat am Mittwoch die Geldmarktzinsen angehoben, um den anhaltenden Kursverfall des Real zu stoppen.Sie erhöhte den Geldmarktsatz von 32,5 Prozent auf 35,5 Prozent.Der Kurs des Real stabilisierte sich daraufhin auf einem Niveau von 1,87 je Dollar, nachdem zuvor bis zu 1,95 Real für einen Dollar gezahlt werden mußten.Im Vergleich zum Vortag tendierte der Real aber weiterhin leichter.Seit der Freigabe der brasilianischen Währung vor vierzehn Tagen hat der Real im Verhältnis zum Dollar damit 35 Prozent an Wert verloren.

Zwar halten die meisten Experten den jetzigen Kurs für zu niedrig, doch das wird den Abwertungsdruck nicht verringern.Weiterhin fehlen Dollar im Markt.Unternehmen, Banken und Investoren zögern damit, ihre Devisen gegen Real zu tauschen, weil sie darauf spekulieren, daß der Real noch weiter fällt.Exporteure versuchen ihre Einnahmen solange in Devisen zu halten wie möglich.Banken halten ihre Dollar zurück, weil sie nicht sicher sein können, zu welchem Kurs sie die Devise zurückkaufen können.Gleichzeitig fließen täglich Dollar ab.Am Dienstag zogen die Anleger 541 Mill.DM aus Brasilien ab.Für den Januar summiert sich der Betrag auf bisher rund acht Mrd.Dollar.

Die von der Wirtschaft erhofften Zinssenkungen seien erst mittelfristig möglich, sagte jetzt Finanzminister Pedro Malan.Das bedeutet: Brasilien hat wegen der höchst angespannten Situation des Real weiterhin keinen Freiraum bei seiner Geldpolitik.Die Zinsen bleiben hoch, die Rezession verschärft sich noch.Das widerspricht dem Kurs, mit dem die Regierung unter Präsident Cardoso die neue Wechselkurspolitik bisher der Öffentlichkeit als vorteilhaft darstellte: Durch die Freigabe der Wechselkurse sei der Zinsanker zur Fixierung des Real nicht mehr notwendig, schon bald könne mit Zinssenkungen gerechnet werden, hatte es nach der Freigabe des Kurses von der Regierung geheißen.

Da die Nervosität steigt, haben Gerüchte Hochkonjunktur und sorgen für noch mehr Volatilität: Die Regierung erwäge Kapitalverkehrskontrollen einzuführen, hieß es zu Beginn dieser Woche.Auch über ein Currency-Board würde nachgedacht.Eine Umschuldung der gigantischen brasilianischen Binnenschuld von rund 400 Mrd.Real (188 Mrd.Dollar) stehe bevor.Der neue Zentralbankpräsident Francisco Lopez nutzte allerdings seine Vereidigung im Senat, um diese Gerüchte zu zerstreuen.

Insgesamt nimmt derzeit in Brasilien die Kritik an der Regierung Cardoso zu, heißt es .Die Regierung reagiere auf die Krise mit einer unkoordinierten Ad-hoc Politik, habe den grundlegenden wirtschaftspolitischen Wechsel mit der Freigabe der Wechselkurse noch gar nicht verarbeitet.Cardoso verfüge über keinen Plan, wie er Brasilien aus der jetzigen Krise manövrieren wolle.

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