Wirtschaft : Brasilianischer Notenbankchef entlassen

BRASILIA/WASHINGTON (dr/rtr).Die Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten setzten sich am Dienstag fort.Vor der zweitägigen Sitzung der US-Notenbank (FED) kamen neue Hiobsbotschaften aus Lateinamerika.In Brasilien hat sich die Krise wieder zugespitzt.

Nachdem die brasilianische Landeswährung Real am Montag zunächst noch Erholungstendenzen gezeigt hatte, legte sie am Dienstag weiter zu und wurde zunächst mit 1,76 Real je Dollar bewertet.Dies entsprach einem Anstieg von 10,3 Prozent gegenüber dem Vortag.Dann kam die Nachricht von der Entlassung des brasilianischen Notenbankchefs Francisco Lopes nach nur knapp drei Wochen und der Real gab wieder bis auf 1,83 nach.Erst am Nachmittag beruhigte sich das Geschehen dann wieder.

Zum Nachfolger von Lopes wurde Arminio Fraga Neto vorgeschlagen, teilte das Finanzministerium am Dienstag in Brasilia mit.Fraga Neto berate bereits jetzt Wirtschaftsminister Pedro Maln.Den Vorschlag muß Präsident Fernando Henrique Cardoso genehmigen.Mit der Personalentscheidung solle die Notenbank im Hinblick auf die jüngste Änderung des brasilianischen Wechselkurssystems gestärkt werden, hieß es in einer Erklärung der Bank.Die Maßnahme bedeute jedoch keine Aufgabe des freien Wechselkurses und keine Änderung der Währungspolitik der Regierung, hieß es.Fraga Neto ist ein Berater des Großinvestors George Soros.

Derweil verhandelten die Regierung und der Internationale Währungsfonds (IWF) in Brasilien weiter über die Bewältigung der Wirtschaftskrise des Landes.Der Erste Stellvertretende IWF-Geschäftsführer Stanley Fischer und Vertreter der Regierung wollen bis zum heutigen Mittwoch neue Vereinbarungen über den brasilianischen Haushalt sowie die Zins- und die Devisenpolitik nach der Abwertung der Landeswährung Real vor knapp drei Wochen treffen.Vom Ausgang der Gespräche hängt die Auszahlung weiterer Milliarden-Kredite an Brasilien ab.

In Washington und Frankfurt (Main) gingen bei Beobachtern die Erwartungen an die Sitzung der Fed auseinander.Analysten erwarten angesichts der guten Verfassung der amerikanischen Wirtschaft, daß die US-Zinsen auf unverändertem Niveau bleiben.Eine Zinserhöhung erscheint angesichts der erneuten Krise in Lateinamerika auch unwahrscheinlich, will die US-Notenbank nicht zu einer weiteren Kapitalflucht aus Brasilien zumindest indirekt beitragen.Die Zinsen in der Euro-Zone könnten hingegen weiter fallen, hieß es.Von der dritten turnusmäßigen Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank am Donnerstag wurden allerdings noch keine konkreten Schritte erwartet.

Der Euro verlor jedoch am Dienstag gegenüber dem Dollar weiter an Wert.Die Europäische Zentralbank (EZB) stellte einen Referenzkurs von 1,1337 (Vortag 1,1338) Dollar fest.Für den Dollar ergab sich damit am Dienstag zur D-Mark ein Kurs von 1,7252 (1,72501) DM.Auch gegenüber dem Yen fiel die europäische Einheitswährung von 130,88 auf 127,70 Yen.

Experten erklärten den Euro/Dollar-Kurs mit der Stärke der amerikanischen Devise.Begründet wurde dies mit dem anhaltend robusten Wirtschaftswachstum in den USA.So stieg der Index wichtiger Wirtschaftsdaten um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat.Das teilte das Conference Board, ein Institut der Privatwirtschaft, am Dienstag in New York mit.Es war der dritte monatliche Anstieg in Folge.Das Ergebnis war erwartet worden.

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