Wirtschaft : Brasilien erhält neue Kredite

WASHINGTON/BRASILIA (AFP).Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Michel Camdessus, hat grünes Licht für die Fortsetzung des Hilfsprogramms für Brasilien gegeben.Er werde dem IWF-Exekutivrat empfehlen, die nach der Abwertung der Landeswährung Real ausgearbeiteten neuen brasilianischen Wirtschaftsleitlinien zu billigen, erklärte Camdessus in Washington.Stimmt das Gremium zu, dann könnte die zweite Kredittranche in Höhe von 4,9 Mrd.Dollar (rund 8,8 Mrd.DM) Ende März oder Anfang April ausgezahlt werden.Mit dem Kredit will der IWF das Vertrauen der Kapitalgeber in die brasilianische Wirtschaft wiederherstellen.Experten beurteilten die neuen Leitlinien vor allem im Hinblick auf den anvisierten Haushaltsüberschuß von drei bis 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) skeptisch.

Für die Auszahlung des Kredits hat Brasilien sich verpflichtet, sich in diesem Jahr in ein enges Finanzkostüm zu zwängen.Unter anderem sehen die neuen Leitlinien eine Inflation von 16,8 Prozent in diesem Jahr, einen Wechselkurs von 1,70 Real zu einem US-Dollar (derzeit knapp zwei Real pro Dollar), Leitzinsen in Höhe von 28,8 Prozent (derzeit 45 Prozent) und eine Inlandsverschuldung von 49,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr vor.US-Finanzminister Robert Rubin begrüßte die Entscheidung des Internationalen Währungsfonds und sprach Brasilien seine weitere Unterstützung aus.

In Rio de Janeiro kritisierte Wirtschaftswissenschaftler Lauro Farias, der von der Regierung zur Konsolidierung der Finanzlage vorgesehene Haushaltsüberschuß sei sehr optimistisch, da die brasilianische Wirtschaft durch die derzeitige Rezession weniger Steuern einnehmen und mehr Geld ausgeben werde.Octavio de Barros von der Bank Bilbao Vizcaya zufolge erfordern die neuen Leitlinien die politisch schwierige Durchsetzung einer ganzen Reihe weiterer Strukturreformen.

Die Interamerikanische Entwicklungsbank (BID) genehmigte unterdessen zwei Kredite in einer Rekordhöhe von 3,4 Mrd.Dollar, um Programme zur Armutsbekämpfung und zur sozialen Abfederung des Strukturanpassungsprogramms in Brasilien zu unterstützen, wie BID-Präsident Enrique Iglesias in Washington bekanntgab.Im November hatte die Staatengemeinschaft unter Führung des IWF ein 41,5 Mrd.Dollar (rund 74,4 Mrd.DM) teures Hilfspaket geschnürt.4,6 Mrd.Dollar wurden vom IWF bereits im Dezember überwiesen.Seit Januar hat der Real mehr als 40 Prozent seines Wertes eingebüßt.Der Real hatte kurz nach der Einigung mit dem IWF am Montag Abend fester geschlossen.

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