Wirtschaft : Brasilien erhöht den Leitzins auf 45 Prozent

BRASILIA (rtr).Der neue Chef der brasilianischen Zentralbank, Arminio Fraga, hat den wichtigsten Leitzinssatz, den Leitzins für Tagesgeschäfte, von 39 auf 45 Prozent erhöht.Brasilien werde der Inflationsbekämpfung trotz Rezession alle anderen Elemente der Wirtschaftspolitik unterordnen, verriet der 42 Jahre alte Fraga, der am Mittwoch vom Senat offiziell als neuer Chef der Zentralbank bestätigt worden war.Die Börse reagierte mit kräftigen Gewinnen: In Sao Paulo, dem größten Aktienmarkt des Subkontinents, legten die Kurse bis Handelsschluß am Donnerstag um durchschnittlich 3,9 Prozent zu.Der Bovspa-Index kletterte auf 9508 Punkte und erreicht damit den höchsten Indexstand seit mehr als einem Jahr.Die Landeswährung Real konnte nach wochenlangen Kursverlusten erstmals wieder zulegen, und zwar um vier Prozent auf 2,09 Real pro US-Dollar.Positiv reagierten auch die meisten anderen lateinamerikanischen Börsen.

Die offizielle Ernennung Fragas nährt zugleich die Hoffnung auf die rasche Freigabe einer weiteren Rate des Milliardenkredits des Internationalen Währungsfonds (IWF).Ein Sprecher des Finanzministeriums in Brasilia sagte, eine Einigung, die Brasilien im Gegenzug voraussichtlich zu umfangreichen Sparmaßnahmen verpflichten wird, könnte noch am Freitag bekanntgegeben werden.Mit den neuen Mitteln aus dem insgesamt 41,5 Mrd.Dollar schweren Hilfsprogramm für Brasilien will Fraga auch die Landeswährung Real stärken, damit der Inflationsdruck über verteuerte Importwaren nachläßt.Der Real hat seit Januar mehr als 40 Prozent seines Wertes gegenüber dem Dollar verloren.Weitere Hilfen kann Brasilien am kommenden Dienstag erwarten.Dann will die Weltbank einen Kredit über eine Mrd.Dollar freigeben.

Die Zentralbank werde "je nach Marktreaktion" den Leitzins kurzfristig wieder senken können, sagte Fraga.Bei der Inflationsbekämpfung werde man auch das "Inflation Targeting" anwenden und regelmäßig Inflationsziele festsetzen.Die Inflationsrückkehr zeichnete sich in Brasilien mit der galoppierenden Abwertung der Landeswährung Real gegenüber dem Dollar zuletzt immer deutlicher ab.

Fraga versicherte außerdem, Brasilien werde trotz der Abwertung des Real am neuen System der frei floatenden Währung festhalten.Die Zentralbank werde aber in außergewöhnlichen Situationen weiterhin an den Devisenmärkten eingreifen.

Es gab allerdings auch negative Reaktionen.Der frühere Gouverneur von Sao Paulo und linksgerichtete Abgeordnete Luiz Fleury bezeichnete die Zinserhöhung als "völlig schädlich für die brasilianische Wirtschaft" und "unverschämter als jede Pornoszene während des Karnevals".Fraga war vor seiner Ernennung durch Staatspräsident Fernando Cardoso bis Ende Januar noch als enger Berater des Großinvestors George Soros tätig und ist deshalb bei vielen Brasilianern höchst umstritten.Sechs der 27 Mitglieder der Wirtschaftskommission des Senats stimmten gegen seine Ernennung und warfen ihm vor, zusammen mit Soros viele Länder "destabilisiert" und auch von der Brasilien-Krise finanziell profitiert zu haben.

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