Wirtschaft : Brasilien kämpft gegen Inflation und Kapitalflucht

BRASILIA (urm/rtr).Brasiliens Zentralbank hat im Kampf gegen Inflation und Kapitalflucht einen ihrer Schlüsselzinssätze angehoben.Die Notenbank teilte am Montag abend in Brasilia mit, die sogenannte Prime Rate, mit der sie Kredite an Geschäftsbanken vergibt, werde von 29 auf 41 Prozent angehoben.Zum einen sollten mit dem Zinsschritt die extremen Schwankungen der Wechselkurse minimiert und zum anderen die Preise stabilisiert werden.Brasiliens Präsident Henrique Cardoso forderte nach der Freigabe der Landeswährung Real nun eine rasche Umsetzung von haushaltspolitischen Reformen.Am Montag verlor der Real weitere zehn Prozent an Wert.Die Aktienbörse in Sao Paulo präsentierte sich dagegen erholt.

Nach Einschätzung von Analysten wird es durch die Anhebung der Prime Rate für Banken kostspieliger, sich Gelder für Spekulationen am Devisenmarkt zu besorgen.Andererseits sollen Inflationstendenzen bekämpft werden, die sich zumeist der Abwertung einer Währung anschließen.

Brasilien hatte am Montag den Kurs des Real endgültig freigegeben und angekündigt, in Zukunft nur von Fall zu Fall in den Devisenmarkt einzugreifen.In der Vorwoche hatte die Notenbank vergeblich versucht die Währung in einem Schwankungsband zum US-Dollar zu halten.Der Real hatte rund 15 Prozent an Wert verloren.

Händlern zufolge ging die Devise am Montag mit einem Kurs von 1,59 Dollar aus dem Markt und verlor damit weitere zehn Prozent an Wert.Während einige Marktteilnehmer davon ausgehen, daß die brasilianische Währung damit ihren Boden gefunden haben dürfte, erwarten andere eine Abwertung von bis zu 25 Prozent.Die Kapitalflucht hielt, wenn auch deutlich vermindert, an.Nach Schätzungen von Händlern flossen am Montag rund 400 Mill.Dollar aus Brasilien ab.An der Börse in Sao Paolo gewann der Bovespa-Index am Montag 5,4 Prozent hinzu, nachdem er am Freitag um 33,4 Prozent in die Höhe gesprungen war.Präsident Fernando Hernrique Cardoso kommentierte die Freigabe des Wechselkurses mit den Worten: "Wunder erwarten wir nicht.Es ist noch viel zu tun." Nun müsse das große Defizit im öffentlichen Haushalt bekämpft werden.Die dringend benötigten Finanzreformen müßten schnell vom Parlament verabschiedet werden.Erst wenn die Reformen umgesetzt seien, könnten die Zinsen wieder gesenkt werden.

Unterdessen hat der zum VW-Konzern gehörende Autobauer Audi sein erstes Montagewerk in Brasilien eröffnet.In dem Werk in SÄao José dos Pinhais im Bundesstaat Paraná, 20 Kilometer von der Landeshauptstadt Curitiba entfernt, soll in Zukunft der A3 und der neue Golf gebaut werden - rund 550 Fahrzeuge täglich.Audi hatte in Brasilien bislang nur Import-Autos abgesetzt.Das hochmoderne Werk, das bezogen auf Umweltschutz, "just-in-time-Produktion" und Arbeitsbedingungen neue Maßstäbe setzt und direkt 3000 neue Arbeitsplätze schafft, dazu 10 000 weitere indirekt in der Zulieferindustrie, wurde im Beisein von VW-Chef Ferdinand Piëch, Audi-Chef Franz-Josef Paefgen und Klaus Liesen, dem Verwaltungsratschef der VW-Gruppe eingeweiht.Mit dabei war auch Herbert Demel, Ex-Chef in Ingolstadt und heute Präsident von VW do Brasil.Ehrengast der Eröffnung war Brasiliens Staatspräsident Fernando Henrique Cardoso.

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