Wirtschaft : Brasilien lockt Autokonzerne

Volkswagen steckt 3,4 Milliarden Euro in seine Werke und Renault-Nissan 1,1 Milliarden Euro

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Gut gelaunte Gäste aus Niedersachsen. VW-Chef Martin Winterkorn und Ministerpräsident David McAllister während einer Preisverleihung in Sao Paulo. Foto: dapd
Gut gelaunte Gäste aus Niedersachsen. VW-Chef Martin Winterkorn und Ministerpräsident David McAllister während einer...Foto: dapd

Berlin - Die beiden größten europäischen Autohersteller Volkswagen und Renault investieren Milliarden am Standort Brasilien. 3,4 Milliarden Euro will VW in den kommenden fünf Jahren in seine Werke in dem südamerikanischen Land stecken. Mehr als jeder achtzehnte Euro, den Volkswagen bis 2016 in den Ausbau des weltweiten Werksnetzes sowie in die Entwicklung neuer Modelle und Technologien investiert, fließt damit nach Brasilien. Der französisch-japanische Hersteller Renault-Nissan will einem Bericht der Wirtschaftszeitung „La Tribune“zufolge an diesem Donnerstag ebenfalls eine Milliardeninvestition in dem Land bekannt geben. Renault-Chef Carlos Ghosn plant demnach, 1,1 Milliarden Euro in den Bau eines neuen Nissan-Werkes im südöstlichen Bundesstaat Rio zu investieren. Die Produktionskapazität soll bei 200 000 Fahrzeugen jährlich liegen.

Brasilien ist nach China der wichtigste Auslandsstandort der deutschen Pkw- Hersteller. In dem südamerikanischen Land liefen nach Angaben des deutschen Automobilverbandes VDA im vergangenen Jahr 765 000 Autos deutscher Marken vom Band – das entspricht einem Anteil von 27 Prozent an der gesamten brasilianischen Pkw-Produktion. Insgesamt haben die deutschen Hersteller und Zulieferer laut VDA mehr als 100 Werke in Brasilien. Für die deutsche Lkw-Branche ist das Land sogar der wichtigste Standort im Ausland. Die Produktion von Transportern hat sich in den brasilianischen Werken der deutschen Hersteller 2010 auf 73 000 Einheiten nahezu verdreifacht. Die Fertigung schwerer Lastkraftwagen über sechs Tonnen legte sogar nach Verbandsangaben um 47 Prozent auf 105 000 Einheiten zu. Allein Mercedes und MAN kommen zusammen auf einen Marktanteil von fast 56 Prozent im Segment der Schwerlaster.

Brasilien ist aus Sicht von VW-Chef Martin Winterkorn einer der wichtigsten Zukunftsmärkte für den Wolfsburger Konzern, der zuletzt glänzend verdient hat und über eine prall gefüllte Kasse verfügt. Mitte September hatte der VW-Aufsichtsrat beschlossen, binnen fünf Jahren rund 62,4 Milliarden Euro an Investitionen lockerzumachen. Damit seien die Weichen für ein nachhaltiges Wachstum gestellt, sagte Winterkorn am Montagabend (Ortszeit) zu den Ausbauplänen in São Paulo. Als fünfter Deutscher erhielt er dort den Titel „Deutsch-Brasilianische Persönlichkeit des Jahres“. „Wir sind hier seit über 50 Jahren fest verwurzelt“, erklärte Winterkorn. Der 1953 gegründete Ableger VW do Brasil betreibt in dem Land inzwischen vier Werke, mehr als 23 000 Mitarbeiter werden beschäftigt. Volkswagen ist damit einer der größten Arbeitgeber der südamerikanischen Automobilbranche. Täglich rollen etwa 3500 Fahrzeuge in 21 verschiedenen Modellvarianten vom Band.

Der Standort Anchieta in der Nähe der Millionenmetropole São Paulo ist das älteste Auslandswerk des Konzerns. Es wurde 1959 eröffnet. Am Dienstag wollte Winterkorn dem Standort zusammen mit Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat David McAllister (CDU) einen Besuch abstatten. In Anchieta werden unter anderem die Modelle Gol, Saveiro, Parati und Polo hergestellt. VW produziert außerdem in Curitiba, São Carlos und Taubaté. In der gesamten Region werden große Zuwächse auf den Automärkten erwartet. „Spätestens im kommenden Jahr feiern wir 20 Millionen Volkswagen ,Made in Brasil’“, kündigte Winterkorn an. Bis 2015 könnten pro Jahr bis zu fünf Millionen Fahrzeuge verkauft werden. McAllister sprach von „zukunftsweisenden Initiativen“ für Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz: VW do Brasil habe 120 Millionen Euro in den Bau von zwei Wasserkraftwerken mit einer Gesamtleistung von 48,2 Megawatt gesteckt, um künftig 40 Prozent des Strombedarfs mit Wasserkraft decken zu können.

Andere Autobauer nehmen das Land ebenfalls in den Blick: BMW-Chef Norbert Reithofer hatte auf der Hauptversammlung des Unternehmens im Mai angekündigt, BMW prüfe in Brasilien einen Standort für die Fahrzeugmontage. Der bayerische Autohersteller hat in den ersten sechs Monaten des Jahres deutlich mehr Luxusautos in dem Land abgesetzt und montiert Motorräder in einem Werk in Manaus. mit dpa

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