Brasilien : VW setzt Pläne zu Entlassungen aus

Nach fünftägigem Streik im brasilianischen Werk Anchieta bei São Paulo hat Volkswagen eingelenkt und seine Pläne zur Entlassung von 1800 Beschäftigten vorerst ausgesetzt.

São Paulo - Der Streit über den geplanten Stellenabbau solle gemeinsam mit der Gewerkschaft am Verhandlungstisch gelöst werden, teilte das Unternehmen mit. Die regionale Gewerkschaft ABC setzte den Ausstand daraufhin vorläufig bis Donnerstag aus und kündigte an, die Beschäftigten seien als Geste des guten Willens während der Verhandlungen zu Überstunden bereit. Die Firmenleitung versicherte, die Zukunft des Werks Anchieta solle gesichert werden. In den kommenden Jahren müssten dort jedoch 3600 Beschäftigte entlassen werden.

Die Unternehmensleitung äußerte die Erwartung, dass eine Einigung noch in der ersten Septemberhälfte erzielt werden könne. Andernfalls sei "die Zukunft des Werkes in Gefahr", warnte das VW-Management. Die rund 12.000 Beschäftigten des Werkes Anchieta waren am vergangenen Mittwoch in den Streik getreten. Sie protestierten damit gegen die angekündigte Entlassung von 1800 Kollegen. Vor dem Arbeitskampf hatte Volkswagen damit gedroht, dass bei einem Scheitern der Verhandlungen die entlassenen Arbeiter nur das gesetzliche Minimum an Abfindungen erhalten sollten. Für den Fall einer Übereinkunft waren den Arbeitern höhere Ausgleichszahlungen in Aussicht gestellt worden.

Brasilianische Regierung: Einstellung von Kreditzahlungen

Volkswagen hatte sogar mit der Schließung der Fabrik Anchieta in São Bernardo do Campo gedroht. Sie ist das älteste und größte von fünf VW-Werken in Brasilien. Die brasilianische Regierung hatte daraufhin die Zahlung von staatlichen Krediten an Volkswagen eingestellt. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva kritisierte, dass die Entlassungen "überstürzt" und ohne vorherige Gespräche mit der Regierung angekündigt worden seien. Lula war früher selbst ein führender Metall-Gewerkschafter in São Bernardo do Campo. Bei der Präsidentschaftswahl am 1. Oktober kandidiert er für ein weiteres Mandat.

VW will in seinen fünf Werken in Brasilien insgesamt knapp 5800 von 22.000 Stellen streichen. Zur Begründung führt der Konzern gestiegene Material- und Lohnkosten an, vor allem aber die starke Aufwertung des brasilianischen Real gegenüber dem US-Dollar in den vergangenen zwei Jahren. Dies hat den Export von Autos aus Brasilien stark verteuert und zu einem Gewinneinbruch geführt. 2005 wurden von VW in Brasilien 264.500 Fahrzeuge im Wert von 2,1 Milliarden Dollar (1,6 Milliarden Euro) exportiert. Im April hatte VW in Wolfsburg bekannt gegeben, bei der vorgesehenen weltweiten Umstrukturierung des Unternehmens sei der Wegfall von insgesamt bis zu 20.000 Jobs geplant. (tso/AFP)

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