Wirtschaft : Brasiliens Wahlhilfe

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Nun, da der Internationale Währungsfonds (IWF) Brasilien einen Kredit in Höhe von 30 Milliarden Dollar zugesagt hat, können alle, die sich wegen der bevorstehenden Wahlen Sorgen gemacht haben, wohl aufatmen. Gemeint sind nicht die im Oktober anstehenden Präsidentschaftswahlen in Brasilien, sondern die Kongresswahlen in den USA im Dezember. Dank der Entscheidung des IWF wird es in Brasilien bis zum Ende diesen Jahres keine Zahlungseinstellung geben – wobei die Betonung auf „diesem Jahr“ liegt. Und sie gibt den Republikanern Zeit, eine etwaige Zahlungseinstellung in das Jahr 2003 zu verlegen.

Genau das ist bei der Entscheidung des IWF eingeplant worden. Etwa sechs Milliarden Dollar sollen vor Jahresende zur Verfügung gestellt werden, der Rest 2003. Sie beinhaltet auch die Übereinkunft, die Mindestreserven von 15 Milliarden Dollar auf fünf Milliarden Dollar zu senken. Ob das der brasilianischen Wirtschaft tatsächlich nutzt, ist äußerst fraglich. Die viel verspottete Voraussage des US-Finanzministers Paul O´Neill, der gewarnt hatte, ein Kredit könne eine Kapitalflucht auslösen, könnte eintreffen. Aber das ist Wirtschaft.

Bei dem IWF-Kredit geht es um Politik. Die ganze Wall Street hat monatelang ihren Einfluss geltend gemacht und behauptet, dass ohne eine Finanzspritze des IWF eine „Ansteckungsgefahr“ bestehe und es zu einem hemisphärischen Zusammenbruch komme. Der arme Paul O´Neill, der widersprach, wurde zum Watschenmann der Wall Street.

Ohne den größten Kredit in der Geschichte des IWF hätten die Anleger Brasilien nach dessen eigenem Verdienst beurteilt, infolge des erwarteten Linksrucks im Lande ihre brasilianischen Anteile verkauft und den Wert der Renten- und Währungsanteile an der Wall Street nach unten getrieben. Das darf nicht sein! Gewinne und Prämien wären geschrumpft und möglicherweise hätte die Wall Street auch von all den Genies befreit werden müssen, die all diese schlechten Investitionsentscheidungen getroffen haben. Wegen der schwachen Erholung der amerikanischen Wirtschaft und dem schwankenden Aktienmarkt hat die US-Regierung schließlich klein beigegeben.

Sie hätte besser in der US-Politik die richtigen Entscheidungen getroffen, denn die IWF-Entscheidung wird für Brasilien nicht viel Gutes bringen.

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