• Brau und Brunnen AG soll abgestoßen werden - Schörghuber-Gruppe an defizitärem Getränkekonzern interessiert

Wirtschaft : Brau und Brunnen AG soll abgestoßen werden - Schörghuber-Gruppe an defizitärem Getränkekonzern interessiert

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Die Bayerische Hypo- und Vereinsbank (BHV) AG, München, will ein weiteres unwillkommenes Erbe aus den Zeiten der früheren Hypo-Bank aus ihren Büchern tilgen. Nachdem das zweigrößte deutsche Kreditinstitut erst vor kurzem eine Immobilienpleite verdauen musste, die auf die ehemalige Hypo-Bank zurückging, soll mit der Dortmunder Brau und Brunnen AG nun eine marode Industriebeteiligung abgestoßen werden, bestätigte ein BHV-Sprecher am Mittwoch in München. Das hatte auch schon die Hypo-Bank unter ihrem Chef Eberhard Martini lange Jahre erfolglos versucht. Die Hypo-Bank, die mittlerweile mit der Bayerischen Vereinsbank zur BHV verschmolzen ist, hatte seinerzeit nicht nur die Aktienmehrheit von Brau und Brunnen erworben, sondern der drittgrößten deutschen Braugruppe auch Kredite für eine nicht sonderlich glückliche Expansion zur Verfügung gestellt.

Das scheinbar ohne inneren Zusammenhalt und strategische Weitsicht zusammengekaufte Sammelsurium von Brauereien stand vor einigen Jahren sogar kurz vor dem Konkurs und verbuchte trotz Sanierungsversuchen auch 1999 noch einen Verlust von 87 Millionen Mark. Die 55 Prozent an Brau und Brunnen hält heute die BHV. Deren Vorstandschef Albrecht Schmidt will die defizitäre Tochter, die wie ein Fremdkörper im Beteiligungsbesitz der Bank anmutet, nun offenbar endgültig los werden. Dabei gelte weiter der Grundsatz, dass Brau und Brunnen nur als Ganzes verkauft werde, bestätigte die BHV. Dazu führe man ernsthafte Gespräche mit einigen Interessenten wie etwa der Brau- und Baugruppe um den Münchner Industriellen Stefan Schörghuber.

Seit dem Tod seines Vaters und Konzerngründers Josef Schörghuber 1995 führt der 39-Jährige Sohn das Firmenimperium und baut es massiv um. Das früher verschachtelte Firmengeflecht wird derzeit geordnet und in Teilen an die Börse gebracht. In der Biersparte um die Münchner Paulaner-Brauerei ist der Firmenerbe seit einiger Zeit auf der Suche nach einer deutschlandweit eingeführten Pilsmarke, die Brau und Brunnen in Jever vorweisen kann. Zusammen mit der auch zur Schörghuber-Gruppe zählenden Kulmbacher Brauerei würde eine Fusion der Münchner und Dortmunder Bierkonzerne den neuen deutschen Branchenführer ergeben. "Die bloße Addition von Hektolitern kann es aber nicht sein", merkte ein Münchner Biermanager jüngst mit Blick auf die große, aber defizitäre Brau und Brunnen AG an. Er würde jedenfalls die Finger davon lassen, weil die Gruppe nicht nur aus erfolgreichen Teilen wie Jever oder Mineralwassern der Marke Apollinaris bestehe, sondern auch renditeschwache Teile wie die Bierbrauer Schultheiss oder Dortmunder Union sowie mit hohen Schulden belastet sei.

Schörghuber will das Risiko dagegen offenbar eingehen. Offiziell äußert sich der Unternehmer nicht zu seinen Absichten. Auch die BHV will zum Stand der Gespräche mit Schörghuber nichts Näheres mitteilen. Dem Vernehmen nach gibt es auch andere Interessenten wie die beiden derzeit führenden deutschen Biergruppen Binding und Holsten. Ein Verkauf an Schörghuber sei aber nicht unwahrscheinlich, heißt es in München. Eine Entscheidung könne in den nächsten Tagen fallen.

Was ein Verkauf an Schörghuber für die Zukunft von Brau und Brunnen bedeuten würde, darüber wird heftig spekuliert. Eine Fusion der dritt- und der achtgrößten deutschen Braugruppe könnte zur lange beschworenen Bereinigung in der zersplitterten und von Überkapazitäten geprägten deutschen Bierlandschaft führen. Branchenkenner rechnen für den Fall eines Verkaufs der Dortmunder jedenfalls fest mit Entlassungen und der Schließung einzelner Brauereien, vor allem im Bereich der Dortmunder Gruppe.

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