Wirtschaft : Braucht Deutschland noch eine Aufsichtsbehörde für die Telekom?

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Telekom-Chef Ron Sommer sieht sein Unternehmen im internationalen Wettbewerb benachteiligt. Während ausländische Telekommunikationsunternehmen vom lieberalisierten Markt in Deutschland profitierten, unterliege die Telekom immer noch einer strengen Regulierung. "Nationale Regelungen sind nicht mehr zeitgemäß", sagte Sommer in Berlin. Mit einer "Selbstregulierung" könne der Markt viel schneller auf die Veränderungen der sich rasant entwickelnden Branche reagieren. Gleichzeitig forderte er ein "Level-Playing-Field", eine Ebene gleicher Spielregeln für alle internationalen Wettbewerber. Dafür wäre dann wiederum eine transnationale Regulierungsbehörde nötig.

Auch der Vizepräsident der Regulierungsbehörde, Arne Börnsen, sprach sich in Bonn dafür aus, die bisherige "harte Regulierung" der Telekom zu überdenken. Sein Chef Regulierungspräsident, Klaus-Dieter Scheurle, sagte jedoch in einem Interview, dass man noch nicht von einem selbst tragenden Wettbewerb sprechen könne. Ohne Regulierung hätten die Wettbewerber keine Chance, auf eigenen Füßen zu stehen. Beobachter werten dies als Börnsens Abschiedsrede. Aus ihm nahestehenden Kreisen sei zu hören, dass er Ende des Jahres sein Amt abgibt, meldet das "Handelsblatt". Börnsen selbst äußerte sich nicht zu diesem Thema.

Sommer sieht im Jahr 2000 ein "börsentechnisch sehr komplexes Jahr" auf sein Unternehmen zukommen. Zum einen plant die Telekom die beiden Töchter T-Mobil (D1) und T-Online an die Börse zu bringen. "Damit wollen wir unseren finanziellen Spielraum erhöhen und eine zusätzliche Akquisitionswährung gewinnen", sagte Sommer. Zum anderen endet die Haltepflicht des Bundes, so dass der Staat ab kommenden Juni seine Telekom-Anteile verkaufen kann. Sommer geht jedoch davon aus, dass der Bund sich im eigenen Interesse "marktkonform" verhalten und den Verkauf "in kleinen Schritten dosieren" werde. Einen genauen Termin für die Börsengänge nannte Sommer nicht. "Auf jeden Fall wollen wir die Mehrheit an diesen Unternehmen behalten", sagte er. Analyst Michael Schatzschneider von der BHF-Bank schätzt, dass T-Mobil vom Start weg einen Börsenwert von 60 Milliarden Mark erreichen werde. Der Wert von T-Mobil werde noch darüber liegen, sei aber schwerer abschätzbar.

Die massiven Tarifsenkungen im Festnetzbereich werden die Telekom in diesem Jahr rund sieben Milliarden Mark kosten, sagte Sommer weiter. Wachstumschancen für sein Unternehmen sieht Sommer in den Bereichen Mobilfunk, Online- und Datenkommunikation und durch die Erschließung neuer Märkte.

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