Wirtschaft : Brauerei-Fusion: Deutschlands größter Bierbrauer entsteht

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Die Bayerische Brau-Holding will zusammen mit der Dortmunder Brau und Brunnen zum größten deutschen Bierbrauer aufsteigen. Angesichts des sinkenden Bierkonsums, von Billigimporten und Verdrängungswettbewerb erreicht die Fusionswelle am hiesigen Biermarkt damit einen weiteren Höhepunkt. Erst vor knapp fünf Monaten hatte sich die Hamburger Holsten-Brauerei durch die Übernahme der Duisburger Familienbrauerei König (König Pilsener, Kelts) an die Spitze der deutschen Braukonzerne noch vor Binding gesetzt.

Erst kürzlich wurde die Übernahme der Brauerei-Gruppe des britischen Bass-Konzerns durch die belgische Interbrew für mehr als sieben Milliarden Mark bekannt. Bezogen auf den Absatz entsteht dadurch die zweitgrößte Bierbrauerei der Welt und der größte Anbieter in Europa vor der niederländischen Heineken. Der Welt-Marktführer Anheuser-Busch braut mit 114 Millionen Hektolitern etwa ebenso viel Bier im Jahr wie alle knapp 1300 deutschen Brauereien zusammengenommen, stellt der Deutsche Brauerbund fest.

Die deutschen Brauer fürchten, die ausländischen Konkurrenten könnten schon bald auch ein Auge auf sie werfen. Denn im internationalen Vergleich sind die Brauereien hier zu Lande noch Zwerge und wären für die Großkonzerne leichte Beute.

Die Schörghuber-Gruppe will ihre Position schon seit langem mit einer attraktiven nationalen Pilsmarke stärken. Zuletzt klagten bayerische Brauereien immer stärker über das Vordringen norddeutscher Pilsmarken in ihre Gefilde. Zu Brau und Brunnen gehört neben Schultheiss, Dortmunder Union und Schlösser Alt auch die Premium-Marke Jever. Das Jever Pils wird als ideale Ergänzung zum Paulaner Weißbier angesehen, das sich am Weißbiermarkt eine starke Marktposition erobert hat. Schörghuber verspricht sich von der Fusion zudem Kosteneinsparungen durch Synergieeffekte und will seine Marken gegen die wachsende Konkurrenz durch eine stärkere Stellung im Handel aufwerten.

Bislang hielten sich die bayerischen Brauer im bundesweiten Fusionskarussell zurück. Doch schlagen sie nun umso vehementer zu. Die finanzstarke Schörghuber-Gruppe, die aus ihrer Kulmbacher- und der Paulaner-Brauereigruppe die neue Bayerische Brau-Holding mit 4,6 Millionen Hektolitern Bierausstoß und mehr als 900 Millionen Mark Umsatz geschmiedet hat, will den Brau und Brunnen-Konzern samt seinem verlustreichen Biergeschäft auf Vordermann bringen. Brau und Brunnen ist mit 7,5 Millionen Hektolitern Bierabsatz und rund 1,5 Milliarden Mark Konzernumsatz 1999 zwar deutlich größer als die bayerische Gruppe. Seit Jahren werden aber Verluste eingefahren.

Zuletzt trübten Abschreibungen vor allem bei Ost-Immobilien von 118 Millionen Mark den Abschluss. Zusammen mit dem defizitären Biergeschäft summierte sich der Jahresfehlbetrag im Konzern auf 86,7 Millionen Mark. Daher suchte die Hypo-Vereinsbank als Mehrheits-Aktionär schon seit Jahren einen Käufer für den angeschlagenen Konzern. Allein die alkoholfreien Getränke (Apollinaris, Schweppes) liefern gute Ergebnisbeiträge und sollen im laufenden Jahr trotz anhaltender Verluste beim Bier für einen Gewinn auch im Gesamtkonzern sorgen.

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