Wirtschaft : Brauerei-Fusion: Mit Jever über die Weißbier-Grenze (Kommentar)

Margarita Chiari

Nun ist es amtlich: Die Bayerische Brau-Holding übernimmt die Dortmunder Brau-und-Brunnen-Gruppe und wird damit zum größten deutschen Bierbrauer. Es ist ein kräftiger Schluck, den sich die Bayern genehmigen. Denn der Dortmunder Konkurrent ist ein wesentlich größeres Unternehmen als die Bayern. Erschwerend kommt hinzuu: Die Dormunder sind hochverschuldet und defizitär. Doch die Bayern und ihren Hauptaktionär Stefan Schörghuber hat vor allem eines gelockt: Sie wollen mit der Edel-Marke Jever endlich auch über die Weißbier-Grenze hinaus ein gutes Standbein im bundesweiten Geschäft halten.

Ob die Rechnung aufgeht, ist völlig offen. Auf dem deutschen Biermarkt herrscht ein harter Verdrängungswettbewerb. Überkapazitäten, stagnierende Umsätze und stetig sinkende Preise prägen das Bild, die Brauereien verdienen bestenfalls noch an ihren Edel-Marken. Traditionsbrauer wie die Duisburger König-Brauerei haben sich - rechtzeitig - aus dem Wettlauf verabschiedet und ihren Betrieb an Holsten verkauft. In diesem Umfeld könnte es sich noch herausstellen, dass die Bayern für ihre Lust auf Jever einen zu hohen Preis bezahlt haben. Die Sanierung von Brau-und-Brunnen wird viel Kraft erfordern. Die Dortmunder haben in den vergangenen Jahren vieles zugekauft, was sich als wenig ertragreich erwies. Fehlinvestitionen im Immobilienbereich kamen hinzu. Die Schörghuber-Gruppe hat bislang guten Geschmack bei Investitionen bewiesen. Sollten sie sich diesmal verschluckt haben, ist eines gewiss: Die Konkurrenz im Ausland wartet auf gute Kaufgelegenheiten.

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