Wirtschaft : Brauerfusion: Traum vom größten Bierkonzern Deutschlands geplatzt

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Die Fusion zwischen der zur Schörghuber-Gruppe zählenden Bayerischen Brauholding AG in München und der Dortmunder Brau und Brunnen (BuB) AG zum größten Bierkonzern Deutschlands ist gescheitert. Als offiziellen Grund nennen beide Konzerne, dass man sich nicht über einheitliche Bewertungskriterien und damit das Wertverhältnis beider Getränkegruppen habe einigen können. Brauholding-Finanzvorstand Klaus Naeve hatte jedoch noch vor kurzem ein Verhältnis von eins zu zwei oder eins zu zweieinhalb zu Gunsten der Bayern angedeutet. Mit einem Absatz von gut zwölf Millionen Hektolitern hätte vor der Holsten-Gruppe der führende heimische Bierkonzern entstehen sollen. Dabei wären die angeschlagenen Dortmunder mit einem etwa doppelt so großen Erlös von knapp 1,6 Milliarden Mark der umsatzstärkere aber finanzschwächere beider Partner gewesen. Über die Details und Hintergründe, die zum Platzen der Bierfusion geführt haben, geben beide Konzerne offiziell keine Auskunft. Man habe Stillschweigen vereinbart.

Hinter vorgehaltener Hand wird die Trennung jedoch recht unterschiedlich erklärt. "Schörghuber hat sich übernommen," meint ein Insider. Die Einverleibung der seit Jahren maroden BuB mit ihrer Hauptmarke Jever wäre "eine Nummer zu groß" für Brauholding-Chef Stefan Schörghuber gewesen und hätte dessen Managementkapazitäten überfordert. Das habe er letztlich eingesehen und die Notbremse gezogen. Die Bewertungsfrage sei nur vorgeschoben. Für diese These spricht die jüngste Brauholding-Hauptversammlung. Dort hatten diverse Kleinaktionäre der zu über 99 Prozent von Schörghuber beherrschten Getränkeholding (Hauptmarke Paulaner) davor gewarnt, mit dem Dortmunder "Dauersanierungsfall" zu fusionieren und Schörghuber "Größenwahn" vorgeworfen. Sie befürchteten, dass sich die profitablen Bayern an der seit Jahren defizitären BuB übernehmen und den eigenen Niedergang einläuten würden.

In Schörghubers Umfeld wird der jetzige Rückzieher auch anders erklärt. Demzufolge habe die Brauholding die künftige Entwicklung von BuB und den Wert vieler darin enthaltenen Biermarken weit skeptischer als deren Verhandlungspartner beurteilt. Fakt ist, dass die Dortmunder zum Halbjahr erneut 18 Millionen Mark Verlust ausweisen mussten, obwohl BuB-Chef Rainer Verstynen zum wiederholten Male ein Ende der Verluste angepeilt hatte. Hätte sich die Brauholding mit ihrer Sicht durchgesetzt, hätte sich das Wertverhältnis über die zuletzt angedeutete Relation von eins zu zwei noch stärker in Richtung der Bayern verschoben, hieß aus dem Kreis der Verhandlungspartner. Die Fusion hätte endgültig die Züge einer Übernahme der Dortmunder durch die Bayern angenommen.

Schörghuber sei wohl kaum von den Verhältnissen bei BuB zu überraschen gewesen, meint dagegen ein Kenner der Szene. Seit Jahren werde die Schieflage der Dortmunder und deren immer wieder gescheiterte Sanierung detailliert kritisiert. Die Bayerische Hypo-Vereinsbank (BHV) sowie vor allem deren Vorgängerinstitut Hypo-Bank versuche als BuB-Großaktionär, die weitgehend planlos zusammengekaufte Brauereigruppe zudem seit Jahren ohne Erfolg "wie saueres Bier" zu verkaufen. Die Misere sei also hinlänglich bekannt.

Dennoch sei das Thema BuB nicht vom Tisch, falls bestehende Differenzen überwunden würden, sagte ein Schörghuber-Sprecher. Ob in diesem Fall an eine Übernahme oder den Kauf einzelner Marken aus dem BuB-Portfolio gedacht sei, ließ er offen. Eine Fusion sei aber definitiv nicht mehr möglich. Allerdings sei auch denkbar, dass die Brauholding nun nach einem anderen Partner Ausschau halte.

Kurzfristig soll die Gruppe nach dem Willen der BHV aus eigener Kraft gesunden und den Sanierungkurs fortsetzen. Eine Zerschlagung der drittgrößten Brauereigruppe Deutschlands hat die Bank stets ausgeschlossen. Man respektiere als Aktionär die Entscheidung der Biermanager, sei daran aber nicht beteiligt gewesen, sagte ein BHV-Sprecher dem Tagesspiegel. Die Suche nach einem Partner für die Dortmunder werde wohl wieder aufgenommen. Die BuB hatte 1999 bei einem leicht rückläufigen Umsatz von 1,56 Milliarden Mark gegen alle Sanierungspläne ihren Jahresverlust auf knapp 87 Millionen Mark versechsfacht und steuert dieses Jahr erneut auf rote Zahlen zu. Der Konzern zahlt seit Jahren keine Dividende.

Die Brauholding setzte im Vorjahr als Nummer acht am heimischen Biermarkt bei 35 Millionen Mark Jahresüberschuss rund 540 Millionen Mark um. Die Gewinne gehen größtenteils auf die Beteiligung an einer chilenischen Brauerei zurück. Dieses Jahr steuern die Bayern vorwiegend durch die Konsolidierung der Kulmbacher Brauerei auf einen Umsatz von 780 Millionen Mark zu.

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