Braune Vergangenheit : August Oetker: "Mein Vater war Nationalsozialist"

Zum ersten Mal spricht ein Mitglied der Familie Oetker über die braune Vergangenheit des Unternehmens Dr. Oetker. Sein Vater Rudolf-August sei ein Nazi gewesen, sagt August Oetker - und auch nach 1945 noch anfällig für rechtes Gedankengut.

Der Unternehmer Rudolf-August Oetker
Der Unternehmer Rudolf-August OetkerFoto: dpa

Im Gespräch mit der Wochenzeitung "Die Zeit" schildert August Oetker ausführlich die NS-Verwicklungen des Unternehmens und die NS-Karriere seines Vaters Rudolf-August Oetker, der im Unternehmen seit 1941 tätig war und ihm seit 1944 vorstand. „Mein Vater war Nationalsozialist“, sagte August Oetker. Der 69-jährige Sohn und Nachfolger von Rudolf-August Oetker ist heute Beiratsvorsitzender der Unternehmensgruppe.

Dass sich das Unternehmen bislang nicht mit seiner braunen Vergangenheit beschäftigt hatte, fand er schon lange schwer erträglich, konnte sich aber gegen den Vater nicht durchsetzen, wie er offen einräumt. „Er wollte über diese Zeit nicht sprechen“, sagte August Oetker. „Er hat gesagt: ,Kinder, lasst mich damit in Ruhe’.“ Auch nach 1945 sei sein Vater noch anfällig für rechtes Gedankengut gewesen, sagte August Oetker im Gespräch: „Das sind die Menschen bis heute. Und er war es auch.“

Öffentlich hatte Rudolf-August Oetker nie zugegeben, wie tief er und sein Unternehmen mit dem Nationalsozialismus verstrickt waren. „Vielleicht wollte er nicht der gewesen sein, der er war. Vielleicht wollte er einen Teil seines Lebens redigieren. Das kann ich nachvollziehen. Aber dadurch wird es nicht besser“, sagte Oetker.

August Oetker ließ daher die Vergangenheit des Unternehmens während der NS-Zeit wissenschaftlich untersuchen. „Ich hatte das Gefühl: Jetzt geht es an die Fakten, jetzt wird der Nebel gelichtet“, sagte er. In der Familie habe es über die Aufarbeitung Differenzen gegeben: „Die jüngeren Geschwister sind meinem Vater noch nicht so entwachsen. Die haben sich gefragt: Tun wir unserem Vater da etwas Böses an? Sorgen wir dafür, dass sein sonst so guter Ruf befleckt wird?“

Sechs Jahre nach dem Tod des Vaters erscheint nun kommende Woche im Beck-Verlag das Buch „Dr. Oetker und der Nationalsozialismus“, das der Münchner Historiker Andreas Wirsching gemeinsam mit den Nachwuchswissenschaftlern Sven Keller und Jürgen Finger geschrieben hat. Bezahlt wurde die Studie von der Firma Dr. Oetker selbst.

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