Breitbandausbau : Autobahnen im Internet

Kanzlerin Merkel berät mit der Industrie über das Konjunkturpaket. Teil davon: Neue Breitbandverbindungen für fünf Millionen Menschen, die noch vom schnellen Internet abgeschnitten sind. Betroffen sind vor allem ländliche Regionen - und der Osten.

Corinna VisserD
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Berlin - Regionen ohne schnelle Internetversorgung sollen zügig an die Hochgeschwindigkeitsnetze angeschlossen werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) traf sich am Dienstag mit Vertretern der Telekommunikationsindustrie, um zu erörtern, was die Regierung tun kann, um den Breitbandausbau zu beschleunigen. An dem Treffen nahmen unter anderen Telekom-Chef René Obermann, Vodafone-Geschäftsführer Friedrich Joussen und Gerd Eickers, Präsident des Branchenverbands VATM teil. Das Gespräch sei konstruktiv verlaufen, hieß es aus Teilnehmerkreisen. „Ich bin nach dem Gespräch sehr zuversichtlich, dass es uns gelingt, unseren Breitbandmarkt gemeinsam mit unseren leistungsstarken Telekommunikationsanbietern zügig auszubauen“, sagte Merkel. Die Bundesregierung will ihre Breitbandstrategie am 18. Februar präsentieren.

Der Breitbandausbau ist Teil des zweiten Konjunkturpaketes der Bundesregierung. Bislang sind rund fünf Millionen Menschen in Deutschland vom schnellen Internet abgeschnitten. Betroffen sind ländliche Gebiete – vor allem im Osten der Bundesrepublik. Bisher haben die Netzbetreiber auf einen Ausbau verzichtet, weil es viel Geld kostet und es dort zu wenige Kunden gibt, um die Investitionen wieder zu verdienen. Die Regierung will, dass die weißen Flecken in der Breitbandversorgung bis spätestens Ende 2010 verschwinden. Bis spätestens 2014 sollen für 75 Prozent der Haushalte, bis 2018 für alle Haushalte Internet-Anschlüsse mit Übertragungsraten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde zur Verfügung stehen. Die Branche nennt diese Ziele „ambitioniert, aber machbar“.

Heute sind DSL-Anschlüsse von zwei oder sechs Megabit am weitesten verbreitet. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland bei der Breitbandversorgung nur leicht über dem EU-Durchschnitt, aber deutlich hinter Ländern wie den Niederlanden, Dänemark oder Großbritannien. Politik und Wirtschaft seien sich einig, dass ein Platz im vorderen Mittelfeld nicht ausreiche, heißt es beim Hightechverband Bitkom.

Nach Berechnungen von Boris Maurer, Partner des Beratungsunternehmens McKinsey & Company, würde der geplante Vollausbau des Glasfasernetzes bis zum Jahr 2018 insgesamt 40 bis 50 Milliarden Euro kosten. „Eine leistungsfähige Breitbandinfrastruktur ist Kernvoraussetzung für zukünftige Innovationen in der Informationstechnik und Telekommunikationsbranche“, sagt Maurer. „Ohne diese neuen Wachstumsmärkte gehen in Deutschland bis zum Jahr 2020 bis zu 100 000 Arbeitsplätze verloren.“ Kurzfristig sichere ein zügiger Glasfaserausbau auch Arbeitsplätze, die in der aktuellen Wirtschaftskrise gefährdet seien. Investitionen von zehn Milliarden Euro seien nötig, um die akuten Versorgungslücken auf dem Lande kurzfristig zu schließen und Glasfaser in den größten Städten auszurollen. „Von diesen Investitionen können bei richtiger Ausgestaltung vor allem kleine und mittlere Unternehmen profitieren, die vor Ort am Ausbau beteiligt sind“, sagt Maurer. Mittelfristig steigerten die Investitionen die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland nachhaltig. Nach Meinung des VATM sind Regionen ohne Breitbandanschluss heute ebenso benachteiligt wie solche ohne Autobahnanschluss.Corinna Visser

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