Wirtschaft : Bremen fordert von Airbus mehr Informationen

Juliane Schäuble

Berlin - Im Ringen um die Zukunft des europäischen Flugzeugbauers Airbus hat Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) die Informationspolitik der Konzernspitze scharf kritisiert. „Es ist schon erstaunlich, dass wir alle immer nur auf Gerüchte angewiesen sind.“ Bei den Beschäftigten an den deutschen Standorten herrsche tiefe Verunsicherung. „Es sind endlich klare Aussagen nötig“, forderte Böhrnsen im Gespräch mit dem Tagesspiegel am Donnerstag.

Bislang hatten es Airbus und der Mutterkonzern EADS stets abgelehnt, zu Spekulationen über mögliche Standortschließungen Stellung zu beziehen. „Entscheidungen im Rahmen von ,Power 8’ werden am 20. Februar bekannt gegeben“, wiederholte ein Airbussprecher in Hamburg am Donnerstag. Der EADS-Konzern ist vor allem wegen der zweijährigen Verzögerungen bei der Auslieferung des A 380 in eine tiefe Krise geraten. Mit dem milliardenschweren Restrukturierungsplan „Power 8“ will er künftig rund zwei Milliarden Euro einsparen. Derzeit wird darum gerungen, welche Standorte die Einsparungen am stärksten betreffen werden. Tausende Airbus-Mitarbeiter hatten vor einer Woche für den Erhalt ihrer Jobs demonstriert.

Böhrnsen fürchtet, dass die Deutschen schlechter abschneiden werden als ihr französischer Partner. „Schon in der Vergangenheit ist eine Schieflage entstanden. Die Bundesregierung muss darauf achten, dass das Gleichgewicht gewahrt wird“, sagte der Landeschef. „Wir brauchen eine starke Industriepolitik.“ Auch sei es notwendig, dass sich Bund und Länder abstimmten, bevor eine endgültige Entscheidung über die Lastenverteilung des Sanierungsprogramms getroffen werde.

In Deutschland gibt es sieben Airbus- Werke mit insgesamt 20 000 Beschäftigten. Am nach Hamburg zweitgrößten Standort Bremen arbeiten rund 3400 Menschen. Wichtig ist die Flügelfertigung und die Rumpfmontage verschiedener Airbus-Typen. Beim Superjumbo A 380 werden hier die Landeklappen montiert. Die Hansestadt fürchtet besonders, dass die Flügelfertigung nach England abgezogen wird. „Wenn das der Fall ist, werden auf einen Schlag 400 hoch qualifizierte Arbeitsplätze vernichtet“, warnte Böhrnsen. Der Verlust dieser Kernkompetenz würde weitere Verlagerungen nach sich ziehen. „Insgesamt stehen dann 2000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.“ Airbus ist in Bremen der zweitgrößte private Arbeitgeber.

Die Airbus-Spitze wollte sich am Donnerstag nicht zu Berichten äußern, dass der A 380 weiterhin in Hamburg gefertigt werde. Programmchef Mario Heinen hatte dies am Mittwoch gegenüber Journalisten angedeutet.

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