Wirtschaft : Bremse und Schmierstoff

Carsten Brönstrup

Der Preis für ein Fass Rohöl erreicht beinahe täglich neue Rekorde – hält das die deutsche Konjunktur aus? Und machen sich die Ölscheichs die Taschen voll, während die Deutschen ihr sauer verdientes Geld an der Tankstelle lassen müssen? Nein, so einfach ist es nicht. Zwar ist das Wachstum in Deutschland weiterhin alles andere als robust, und obendrein mussten Verbraucher und Unternehmen allein bis Ende Mai für ihre Ölrechnung 12,3 Milliarden Euro bezahlen, 3,5 Milliarden mehr als im vergangenen Jahr. Interessant ist aber, wer uns den wertvollen Stoff verkauft hat: Rund ein Drittel des Rohöls kommt aus Russland, mehr als ein Zehntel aus Großbritannien, ein Fünftel aus Norwegen – ebenso viel, wie die zwölf Opec-Staaten, von Saudi-Arabien über Indonesien bis Venezuela, hier absetzen.

Unser Geld ist damit keinesfalls futsch. Die Ölländer kaufen mit ihren Verkaufserlösen Autos, Maschinen und Chemieprodukte ein, seit jeher die Verkaufsschlager des Exportweltmeisters Deutschland. Großbritannien, der drittgrößte Handelspartner, hat im vergangenen Jahr allein für 61 Milliarden Euro Waren aus der Bundesrepublik geordert. Russland, Rang 14 unter den Handelspartnern, hat fast 15 Milliarden Euro überwiesen. Norwegen, Rang 25, bestellte Produkte für mehr als fünf Milliarden Euro. Mit dem Iran erreicht ein Opec-Staat erst Rang 35 mit einem Handelsvolumen von 3,5 Milliarden Euro. Und 2005 ist der deutsche Export weiter gewachsen, der schwächeren Weltwirtschaft zum Trotz. Allein die Staaten außerhalb der EU, zu denen viele der Ölförderer gehören, kauften bis Ende Mai für 111 Milliarden Euro bei der deutschen Wirtschaft ein. Teures Öl ist also nicht nur eine Bremse, sondern auch ein Schmierstoff für die deutsche Wirtschaft.

findet die Klagen über das teure Öl ein wenig überzogen

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