Wirtschaft : Breuer hält Kirchs Klage für "Nebelkerze"

fo/ro

Rolf E. Breuer, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, hält die Strafanzeige und eine mögliche Schadenersatzklage der Kirch-Gruppe für "juristisch unbegründet und ohne Substanz." Er betrachte die Angelegenheit mit großer Gelassenheit, sagte Breuer am Montag in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel. Zugleich ließ er durchblicken, dass auch die Deutsche Bank Pläne für die Verwertung des 40,6 Prozent-Anteils der Kirch-Gruppe am Axel-Springer-Verlag hat.

Breuer zeigte sich verwundert, dass Kirch die Strafanzeige wegen Verrat von Geschäftsgeheimnissen, Kreditverleumdung und unbefugten Angaben über Millionenkredite erst jetzt gestellt habe. Der Medienkonzern reagiert damit auf Äußerungen des Deutsche-Bank-Chefs von Anfang Februar. "Was man alles darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, (Kirch) auf unveränderter Basis weitere Fremd- oder Eigenmittel zur Verfügung zu stellen", hatte Breuer gesagt. Jetzt vermutet er in der Anzeige und der angeblich bevorstehenden Schadensersatzklage in dreistelliger Millionenhöhe eine "PR-Nebelkerze, um Zeit zu kaufen" und sich damit "den drohenden Forderungen zu entziehen."

Das habe allerdings nichts mit dem Fälligkeitstermin für den Kredit der Deutschen Bank an Kirch in Höhe von rund 720 Millionen Euro zu tun. Dass das Geld am 10. oder 12. Mai gezahlt werden müsse, bestätigte Breuer nicht. Es gebe eine Fülle von Terminen. Aus anderen Banken ist allerdings zu hören, der Kredit sei am 12. April gekündigt worden und damit am 12. Mai fällig. Als Pfand für den Kredit hat sich die Deutsche Bank das 40-Prozent-Paket von Kirch an Springer gesichert.

Derzeit arbeiten Commerzbank, Dresdner Bank und die Verlegerin Friede Springer an einem Übernahmeangebot für diese Beteiligung mit einem Wert von rund einer Milliarde Euro. Nach Angaben eines Commerzbank-Sprechers gibt es aber noch keine Entscheidungen.

Breuer ließ jetzt allerdings durchblicken, dass auch die Deutsche Bank Pläne für den Springer-Anteil in der Schublade hat, in die auch Springer einbezogen ist. "Wir haben seit langem eine enge Beziehung zu Friede Springer. Wir fühlen uns zu einer Lösung verpflichtet, die auch den Interessen der Familie Springer entspricht." Damit könnten die Ziele der anderen Banken um die Commerzbank und die der Deutschen Bank durchaus ähnlich sein. Entscheidend, so Breuer, sei mit Blick auf mögliche Käufer des Springer-Anteils, dass der Verlag seine unternehmerische Unabhängigkeit behalte. Allein entscheiden könne die Deutsche Bank aber nicht.

An zweiter Stelle hätten die Bayerische Landesbank, Lehmann Brothers und J.P. Morgan Chase ein Pfandrecht auf den Springer-Anteil. Insofern hätten diese Banken ein elementares Interesse daran, dass die Deutsche Bank bei einem Verkauf so viel erzielt, dass für sie auch noch etwas abfällt. Deshalb hätten sie auch ein Mitspracherecht. Sollte diesen Banken die Lösung der Deutschen Bank nicht gefallen, könnten sie den Springer-Anteil aufkaufen und eine eigene Lösung finden, sagt Breuer.

Unterdessen arbeitet die neue Geschäftsführung der zahlungsunfähigen Kirch-Media an einem Konzept zur Rettung des Unternehmens. Kirch-Media müsse "schnell raus aus der Insolvenz", sagten die Sanierer Wofgang von Betteray und Hans-Joachim Ziems dem Handelsblatt. Als Alternativen würden die Gründung einer Auffanggesellschaft mit neuen Investoren oder eine Geldspritze der bisherigen Eigentümer diskutiert. Es liefen Gespräche mit Rupert Murdoch, Silvio Berlusconis Gruppe, und Rewe.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben