Wirtschaft : Breuer schlägt Runden Tisch für Finanzmärkte vor

FRANKFURT (MAIN) (mak/HB).Für eine aktivere Einbeziehung des privaten Sektors in die Prävention von Finanzkrisen hat sich der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf-E.Breuer, ausgesprochen.Um Fehlentwicklungen frühzeitig erkennen und Abhilfe schaffen zu können, müsse zwischen den einzelnen Schuldnerländern und den privaten Kapitalgebern "ein strukturierter Dialog" institutionalisiert werden, forderte Breuer am Donnerstag während der internationalen Finanzkonferenz "Global 24".

Das von Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer vorgeschlagene "Forum für Finanzmarktstabilität" führe zwar in die richtige Richtung, berücksichtige aber den privaten Sektor nicht.Ergänzend sollte daher ein "Runder Tisch für globale Finanzmarktfragen" ins Leben gerufen werden, an dem alle wichtigen Teilnehmergruppen des internationalen Finanzmarktgeschehens beteiligt seien.Dort müßten Informationen über wichtige Entwicklungen ausgetauscht und Probleme und Risiken offen diskutiert werden.Es sei keineswegs so, daß in der Vergangenheit Krisen nur von öffentlichen Stellen gelöst worden seien, stellte Breuer klar.Davon zeugten nicht zuletzt die Finanzergebnisse des vergangenen Jahres, insbesondere des dritten Quartals.Die Banken seien in beinahe jedem von den Krisen betroffenen Land an der Lösung von Schuldenproblemen konkret beteiligt.Sie hätten kurzfristige Kredite in langfristige umgewandelt, Handels- und Interbankfinanzierungen aufrechterhalten und die Schulden des Unternehmenssektors umstrukturiert.Zum Auftakt der "Global 24" unter dem Generalthema "Eine neue Finanzarchitektur für das 21.Jahrhundert" zogen fünf Professoren aus vier Standorten aus Lehren aus den Finanzkrisen in Asien.Weitgehende Einigkeit herrschte unter den Wissenschaftlern darin, daß Frühwarnsysteme keine Lösung seien, weil sich jede Krise von der vorangegangenen unterscheide.Auch feste Wechselkurse seien auf die Dauer mit dem Maß an Freiheit unvereinbar, das heute die Kapitalmärkte kennzeichne, und selbst ein erhöhtes Maß an Transparenz biete keinen Schutz vor Finanzkrisen.Konsens bestand auch bezüglich der Rolle des Internationalen Währungsfonds: Er müsse weg von der Praxis des "bailing out", des beliebigen Auffangens der Krisenländer mit Finanzhilfen.Flexiblere Wechselkurse für die aufstrebenden Staaten forderte Barry Eichengreen von der University of California in Berkeley.Dies ermutige die Marktteilnehmer, ihre Wechselkursrisiken abzusichern.Zur Stärkung der Finanzsysteme der Schwellenländer sei außerdem eine Besteuerung der Kapitalimporte zu erwägen.Europa, die USA und Japan müßten sich darauf verständigen, auf welche Weise sie das internationale Finanzsystem reformieren wollten und die aufstrebenden Staaten mit an den Tisch bringen.Gewisse Fortschritte seien zwar zu beobachten, doch es gebe Differenzen zwischen Europa und den USA.So seien die USA nicht bereit, entsprechende Klauseln in den Anleiheverträgen mitzutragen, beklagte Eichengreen.

Wenig Verständnis für die ablehnende Haltung der USA zeigte Peter B.Kenen von der Princeton University, Princeton."Warum gehen die Industrieländer nicht mit gutem Beispiel voran?", fragte er.In den vergangenen Monaten hätten offizielle Stellen die Schwellenländer mit Empfehlungen überschwemmt.Aber kaum etwas werde unternommen, um sicherzustellen, daß diesen Empfehlungen auch entsprochen werde.Charles Wyplosz vom Graduate Institute of International Studies, Genf, bedauerte, daß nach den dramatischen Folgen, die die Krisen für die Schwellenländer gehabt hätten, und nach all den Beteuerungen, das internationale Finanzsystem zu reformieren, der Wille dazu schon wieder schwächer werde.

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