Wirtschaft : Briten erheben harte Vorwürfe gegen BMW - Blair befürwortet angeblich Boykott

Die Regierung in London hat BMW in Zusammenhang mit dem Rover-Ausstieg der Lüge bezichtigt. Dies berichteten britische Sonntagszeitungen unter Berufung auf Regierungskreise. Danach soll der Chef von Rover Großbritannien, Werner Sämann, Handelsminister Stephen Byers noch am 10. März versichert haben, dass keine Verkaufsabsichten bestünden. Den Meldungen zufolge soll sich Sämann am vergangenen Freitag bei Byers dafür "entschuldigt" haben, dass er die "wirtschaftlich sensible Wahrheit" nicht hätte preisgeben können. Byers hatte am Sonnabend an der ersten Sitzung einer von ihm eingesetzten Arbeitsgruppe über die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Rover-Verkaufs in Birmingham teilgenommen. Anschließend forderte der Minister den BMW-Konzern auf, sich an Maßnahmen zur Regeneration des Industriegebiets der West Midlands zu beteiligen.

Die britische Regierung will für die Region Hilfen von 415 Millionen Mark aus dem Topf der inzwischen zurückgezogenen Staatshilfe für Rover von insgesamt 480 Millionen Mark zur Verfügung stellen. Die Forderung nach einer finanziellen Beteiligung von BMW wurde am Sonntag vom Rover-Käufer Alchemy Partners zurückgewiesen. Alchemy-Chef Jon Moulton sagte in einem BBC-Fernsehinterview, der BMW-Konzern habe in den Verkaufsverhandlungen bereits alle finanziellen Verbindlichkeiten, einschließlich Abfindungen für Entlassungen, abgedeckt.

Auch die von Byers mehrfach ausgedrückte Hoffnung, für Rover doch noch einen Käufer aus der internationalen Autoindustrie zu finden, sei unrealistisch, sagte Moulton. BMW könne nach der getroffenen Vereinbarung allein aus rechtlichen Gründen gar nicht mit anderen Verhandlungspartnern in Kontakt treten.

Großbritanniens Außenminister Robin Cook wies am Sonntag die Behauptung von BMW zurück, die Unsicherheit über den britischen Euro-Beitritt sei für den Verkauf von Rover Cars mit entscheidend gewesen. Zugleich gestand Cook im Frühstücksfernsehen GMTV ein, dass langfristig die Investitionen leiden würden, falls London der Euro-Zone auf unabsehbare Zeit fernbleibe.

Nach einem Bericht der Boulevard-Zeitung "Sunday People" befürwortet Premierminister Tony Blair aus Verärgerung über den BMW-Rückzug einen Boykott deutscher Autos durch britische Verbraucher. Dazu gab es am Sonntag von der Regierung keinen Kommentar.

Unterdessen reißen die Gerüchte um einen bevorstehenden Einstieg von Ford bei BMW nicht ab. Wie die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf BMW-Kreise berichtete, gibt es zwischen beiden Unternehmen zwar noch keine Kontakte auf Vorstandsebene, doch werde seit etwa drei Monaten über Mittelsmänner die Möglichkeit einer Übernahme sondiert. Seit BMW die Trennung von der britischen Rover-Gruppe bekannt gegeben habe, hätten auch der Volkswagen-Konzern und General Motors erneut ihr Interesse an dem Münchner Unternehmen bekundet. Die treibende Kraft für den Verkauf von Rover soll nach Angaben der Zeitung die 73-jährige Johanna Quandt gewesen sein, die zusammen mit ihrer Familie 48 Prozent der Anteile an BMW hält. Quandt habe ihre Intervention mit dem Abflauen der Autokonjunktur begründet, was einen schärferen Wettbewerb zur Folge habe. Auch die Geldinstitute HypoVereinsbank, Bayerische Landesbank, Deutsche Bank und Commerzbank sollen BMW gedrängt haben, Rover abzustoßen. Die gleiche Zeitung berichtete, Daimler Chrysler sei weiter an dem italienischen Konzern Fiat interessiert. Zudem solle DaimlerChrysler kurz vor einer Entscheidung über eine Kooperation mit der japanischen Mitsubishi-Gruppe stehen. Einen "Manager" zitierte die Zeitung im Zusamenhang mit Fiat mit der Aussage: "Zwar gibt es die Erklärung, dass General Motors 20 Prozent (an Fiat) übernehmen will. Doch ist ein Rückzug der Amerikaner noch immer möglich."

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