Wirtschaft : Briten fürchten Rückzug ausländischer Konzerne - BMW bleibt Zulieferer für Phoenix

and

Nach dem Verkauf von Rover will sich der Münchenre Automobilkonzern BMW nicht vom Produktionsstandort Großbritannien verabschieden. Das Unternehmen werde in den kommenden Jahren neue Arbeitsplätze in England schaffen und "insgesamt fast 10.000 Arbeitskräfte" beschäftigen, erklärte BMW-Sprecher Axel Obermüller am Mittwoch gegenüber dem Handelsblatt. Der deutsche Autobauer werde auch künftig wichtiger Zulieferer für das Phoenix-Konsortium sein.

Das von dem Ex-Rover-Chef John Towers geführte Konsortium hatte Rover am Dienstag für den symbolischen Preis von zehn Pfund erworben. Die britische Autoindustrie fürchtet um das Engagement ausländischer Konzerne. Neben dem BMW-Rückzug bei Rover haben auch japanische Autokonzerne mit Werksschließungen in England gedroht. Grund ist der starke Pfundkurs. Zudem wird erwartet, dass der Ford-Konzern einen Teil seiner Fertigung in Dagenham dicht macht.

Unterdessen gingen die Spekulationen weiter, wie Phoenix die angeschlagene Rover-Gruppe innerhalb von zwei Jahren aus der Verlustzone fahren will. Nach einer Studie von Salomon Smith Barney hat BMW bei Rover im vergangenen Jahr pro verkauftem Auto einen Verlust von 1500 Pfund gemacht. Phoenix will weiter rund 200.000 Autos im Jahr bauen. Das sind 25.000 weniger als bisher.

Der japanische Honda-Konzern ist nach eigenen Angaben nicht an einer Allianz mit Rover interessiert. Nach britischen Zeitungsberichten soll Phoenix aber bereits mit Honda verhandeln. Auch Volkswagen und Ford werden als mögliche Rover-Partner genannt. Ford kauft von BMW die Marke Land-Rover. Phoenix wolle mit einem Partner eine möglichst kostengünstige Plattformproduktion schaffen, hieß es.

Phoenix-Chef Towers erklärte, er wolle die Belegschaft an Rover zu einem Drittel beteiligen. Dies solle den Mitarbeitern ein direktes Interesse an der Zukunft des Unternehmens geben, so Towers.

Phoenix übernimmt im Werk Longbridge 7000 von 9000 Beschäftigten, will aber rund 1000 Stellen abbauen. Die verbleibenden 2000 Mitarbeiter stünden weiter auf der BMW-Lohnliste, erklärte Konzernsprecher Obermüller. Im Werk Oxford, wo BMW vom kommenden Jahr an den neuen Mini produziert, seien rund 3000 bis 3500 Arbeitsplätze geplant. Im neuen Motorenwerk Hams Hall will BMW 1000 Mitarbeiter beschäftigen, in Swindon sind es bereits 2500. Dort stellt der deutsche Autobauer Karosserieteile für Rover her. Im Vertrieb beschäftigt BMW rund 500 Mitarbeiter. Die Aktie des Münchener Autokonzerns ist nach Ansicht von Lehman Brothers nach dem Rover-Verkauf 45 Euro wert. Die Londoner Bank empfiehlt den Titel zum Kauf.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben