Wirtschaft : Briten lehnen auch nachgebessertes Angebot ab, zeigen aber Gesprächsbereitschaft

jkr

Die britische Reisegruppe Thomson Travel lehnt auch ein erhöhtes Übernahmeangebot der deutschen C&N Touristic AG weiterhin ab. Allerdings hat Thomson am Mittwoch erstmal erklärt, der Vorstand stimme einem Treffen der Finanzberater beider Seiten zu. Bislang hatte das Unternehmen in London alle Gespräche mit dem deutschen Interessenten zumindest offiziell strikt abgelehnt.

Thomson Travel teilte weiter mit, der Vorstand habe einen neuen Vorschlag von C&N erhalten. Danach wolle die deutsche Gruppe um den Ferienflieger Condor und den Reiseveranstalter Neckermann ihr Angebot um 15 Pence auf 145 Pence pro Thomson-Aktie erhöhen. Auch diese Offerte im Wert von 1,45 Milliarden Pfund oder 2,4 Milliarden Euro spiegele aber nicht den realen Wert des größten britischen Veranstalters von Pauschalreisen wieder, erklärte eine Firmensprecherin. Sie betonte, dass noch immer kein offizielles Angebot der C&N-Gruppe vorliege.

Der nach TUI zweitgrößte deutsche Reisekonzern versucht seit Anfang April diesen Jahres Thomson Travel zu übernehmen. Der britische Konkurrent hat diese Offerte allerdings von Beginn an als "feindlich" zurückgewiesen und auch am Mittwoch erklärt, er werde dies auch bei einem Preis von 145 Pence pro Aktie tun. Seit Tagen versuchen beide Gesellschaften, durch Aktienkäufe ihren Thomson-Anteil zu stärken.

Die Börse in London reagierte am Mittwoch positiv auf eine mögliche Erhöhung der Übernahmeofferte. Der Thomson-Kurs stieg bis zum Nachmittag um sieben Prozent auf 137 Pence. Der Titel war seit seinem Börsengang im Mai 1998 von 170 Pence im Wert um rund die Hälfte gesunken. Analysten in London erwarten, dass Thomson auf jeden Fall versuchen wird, bei einer Übernahme den Ausgabepreis zu erzielen.

Das Wirtschaftsmagazin "Focus-Money" meldete unterdessen unter Berufung auf C&N-Unternehmenskreise, der deutsche Konzern sei bereit, für Thomson maximal 5,4 Milliarden Mark, umgerechnet rund 2,8 Milliarden Euro oder knapp 1,7 Milliarden britische Pfund zu bieten. Das sei aber das letzte Angebot, damit sei dann die "Schmerzgrenze" bei den C&N-Muttergesellschaften Lufthansa und Karstadt Quelle erreicht.

Die C&N-Gruppewill auch die französische Havas Voyages übernehmen und so zum europäischen Branchenführer werden.

Der deutsche Reisekonzern zählte im abgelaufenen Geschäftsjahr 1998/1999 (Ende Oktober) eigenen Angaben zufolge mehr als zehn Millionen Gäste und erzielte damit einen Umsatz von 9,1 Milliarden Mark oder 4,65 Milliarden Euro. Schwerpunkte der Geschäftstätigkeit sind außer Deutschland die Benelux-Länder, Frankreich, Österreich und Osteuropa.

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