Wirtschaft : Britische Gewerkschaft fordert BMW-Boykott - Selbstkritische Stimmen überwiegen jedoch

Hendrik Bebber

Der Ton in der Auseinandersetzung um die Trennung des deutschen Autobauers BMW von seiner britischen Tochter Rover verschärft sich. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Ingenieure und Elektriker (AEEU), Sir Ken Jackson, ruft offen zum Boykott gegen das bayerische Unternehmen auf. Trotz seines Ärgers und seiner Enttäuschung unterstützt Premierminister Tony Blair diesen Appell an den Patriotismus nicht. "Die Leute werden selbst ihre Kaufentscheidungen treffen," kommentierte ein Regierungssprecher den geforderten BMW-Boykott.

Der Wirtschaftsauschuss des britischen Parlaments wird in Kürze eine Untersuchung über die Hintergründe des Rover-Desasters beginnen. Dabei soll auch erörtert werden, ob die Regierung alles getan hat, um die Trennung von BMW zu verhindern. Industrieminister Stephen Byers behauptet weiter, dass ihn die Bayern übertölpelt hätten. Bei Gesprächen, die er kurz vor der Trennung geführt hat, habe die Firmenleitung keinerlei Warnzeichen gegeben. Deshalb dränge er jetzt die Münchner Zentrale, zu einem Hilfsprogramm für die Arbeiter, die von Entlassungen bedroht sind, finanziell beizutragen. BMW-Sprecher Axel Obermüller wies die Vorwürfe in einem Interview mit der BBC zurück. Bei den Gesprächen im Handelsministerium hätte BMW die Verluste diskutiert und klar zu verstehen gegeben. Der neue Eigentümer von Rover, die Risikokapitalfirma Alchemy zeigt sich durch ihren Chef Jon Moulton überrascht, dass "Stephen Byers Ausgleichzahlungen haben will. Man könnte argumentieren, dass BMW die bereits geleistet hat."

Im britischen Gram über das Ende ihres traditionsbelasteten Autowerkes mischt sich jedoch mehr und mehr die Einsicht des Unabwendbaren. "BMW hat sicherlich Fehler gemacht. Die Art und Weise, wie jetzt Tausende von Arbeitsplätzen im Winde baumeln, ist abscheulich", schreibt der liberale "Observer". "Aber es ist eine hausgemachte Tragödie". Trotz des BMW-Rover-Debakels zieht es immer mehr deutsche Firmen nach Großbritannien. Mit 200 000 Arbeitsplätzen gehören sie dort zu den größten Investoren. Fast alle deutschen Anleger wünschen sich jedoch, dass Großbritannien der Europäischen Währungsunion beitritt, da das starke Pfund Exporte bisher behindert.

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