Wirtschaft : Britische Post will in Deutschland zustellen

FRANKFURT (MAIN) (ro).Mit der britischen Post bekommt die Deutsche Post AG auf eigenem Terrain einen starken Konkurrenten.Die Briten übernehmen rückwirkend zum 1.Januar das private Paketunternehmen German Parcel im hessischen Neuenstein.Mit dem neuen finanzstarken Eigner im Rücken will German Parcel-Chef Rico Back neue Bereiche erschließen und mittelfristig, spätestens aber nach der Liberalisierung des Marktes im Jahr 2003 auch in das Briefgeschäft einsteigen."Die Chance ist groß, daß sich die Portopreise auf ein vernünftiges Maß reduzieren", meinte Back am Montag in Frankfurt.70 Pfennige für einen Brief seien möglich, betonte der Manager.

Wieviel das traditionsreiche Post Office - so lautet der offizielle Name der britischen Post - für German Parcel auf den Tisch gelegt hat, wollte Post Office-Vorstandsmitglied Kevin Williams nicht sagen.Angeblich haben die Briten rund 825 Mill.DM für den - nach der Deutschen Post, dem Deutschen Paket Dienst und United Parcel Service - viertgrößten deutschen Paketdienstleister und dessen 60 Depots gezahlt.Post Office und die bisherigen Eigner von German Parcel einigten sich nach monatelangen Verhandlungen.Nach Angaben von Williams waren auch andere große europäische Postgesellschaften an German Parcel interessiert.Beide Unternehmen wollen jetzt nicht nur ihre Position in Deutschland stärken und von der weiteren Liberalisierung des Marktes profitieren, sondern auch das Geschäft in Europa und in Nordamerika ausbauen.Für die britische Post ist es die bislang größte Übernahme und, so Williams, ein Meilenstein in der Firmengeschichte.Nach Angaben von Back bleibt German Parcel als eigenständiges Unternehmen erhalten.Arbeitsplätze seien in "keiner Weise" gefährdet.Im Gegenteil: Man werde auch 1999 neue Stellen schaffen.

German Parcel wurde 1989 von 25 mittelständischen Spediteuren gegründet.1998 beförderte das hessische Unternehmen mit 4800 Mitarbeitern rund 98 Mill.Pakete.Der Umsatz kletterte von 650 auf 700 Mill.DM.1999 ist ein Zuwachs von sieben Prozent geplant.Über den Gewinn macht German Parcel keine Angaben.Man schreibe aber deutlich schwarze Zahlen.

Die britische Post wurde schon 1635 gegründet.Seit über zwei Jahrzehnten gilt sie mit ihren vier Sparten Briefdienst, Paketdienst, dem Schaltergeschäft und dem Telebusiness als hochprofitables Unternehmen.1998 erzielte Post Office mit rund 194 000 Mitarbeitern einen Umsatz von umgerechnet 18,5 Mrd.DM.Der Gewinn vor Steuern lag bei rund 1,8 Mrd.DM.

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