Wirtschaft : Brüssel droht Daimler mit Rekordbuße

BRÜSSEL / STUTTGART (jh/ajo/HB).Die EU-Kommission hat gegen die Daimler-Chrysler AG wegen des Verdachts unerlaubter Verkaufspraktiken ein Verfahren eröffnet.Sollte sich der Verdacht bestätigen, droht dem Unternehmen eine Strafe von bis zu zehn Prozent des Konzernumsatzes.Dieser lag 1998 bei 132 Mrd.Euro.Der Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie gab am Mittwoch zunächst um bis zu 2,5 Prozent nach.Am Nachmittag wurden die Papiere dann mit 90,80 Euro gehandelt, dies entsprach noch einem Minus von 0,5 Prozent.Der Automobilkonzern, bei dem die Beschwerde aus Brüssel am 1.April einging, muß bis Ende Mai Stellung zu den Verdachtsmomenten beziehen.

Die Kommission wirft dem Stuttgarter Konzern vor, in den Jahren 1985 bis 1996 seine Händler gedrängt zu haben, nicht ins europäische Ausland zu verkaufen, und damit gegen die Wettbewerbsregeln der Europäischen Union verstoßen zu haben.Potentielle Kunden sollten so daran gehindert werden, von den zum Teil hohen Preisdifferenzen innerhalb der EU zu profitieren.Konkret richten sich die Beschwerden gegen die Konzernzentrale in Stuttgart sowie Tochtergesellschaften in Belgien, Spanien und den Niederlanden.

Einem Kommissionssprecher zufolge hat die EU-Wettbewerbsbehörde bei ihren Untersuchungen Ende 1996 Unterlagen gefunden, aus denen hervorgeht, daß Daimler mehrfach versucht hat, den Weiterverkauf von Pkw ins Ausland zu unterbinden."Es wurde versucht, den Handel über die Grenzen hinweg so gering wie möglich zu halten," erklärte der EU-Sprecher.Einem Unternehmenssprecher zufolge geht man bei DaimlerChrysler davon aus, alle Vorwürfe entkräften zu können.DaimlerChrysler beziehungsweise die Vorgängerin Daimler-Benz habe nie eine Strategie der Abschottung nationaler Märkte im europäischen Wirtschaftsraum verfolgt.Die Vertriebsstellen seien nie im Zweifel gelassen worden, daß Verkäufe an ausländische Verbraucher zulässig seien.Man habe die Ermittlungen der EU-Kommission in den vergangenen Jahren unterstützt, sagte der DaimlerChrysler-Sprecher.

Bei den beanstandeten Praktiken habe es sich nach Angaben der Kommission in Deutschland vornehmlich um Verträge mit Großkunden gehandelt.Daimler habe verhindern wollen, daß Teile der Flotten ins Ausland weiterverkauft werden.In Belgien und Spanien hätten die Daimler-Töchter von den Händlern Provisionen in Höhe von drei beziehungsweise 15 Prozent des Verkaufspreises verlangt, wenn Fahrzeuge ins Ausland verkauft worden seien.Darüber hinaus, so der Sprecher von Wettbewerbskommissar Karel Van Miert, habe Daimler in Verträge mit Händlern eine Exportverbotsklausel eingebaut oder in Ungnade gefallene Händler restriktiv bei Ersatzteillieferungen behandelt.

Ein ähnliches Verfahren läuft gegen die Rüsselsheimer Adam Opel AG.Gegen den Volkswagen-Konzern wurde Anfang 1998 wegen vergleichbarer Vergehen eine Rekordstrafe von gut 200 Mill.DM verhängt.Dies waren damals 0,4 Prozent des Umsatzes.EU-Experten schließen nicht aus, daß das Bußgeld gegen DaimlerChrysler deutlich höher ausfällt, da die Vorwürfe gravierender seien.Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wird Brüssel frühestens im Spätsommer ein Bußgeld verhängen.

Unterdessen teilte DaimlerChrysler am Mittwoch mit, daß der Verkauf von Mercedes-Benz-Personenwagen im ersten Quartal 1999 um mehr als 17 Prozent auf 237 000 Einheiten gestiegen.Allein im März seien 102 000 Einheiten abgesetzt worden, teilte DaimlerChrysler in Stuttgart mit.Damit seien erstmals mehr als 100 000 Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz in einem Monat verkauft worden."Dieses erfreuliche Ergebnis ist ein Maß für die Attraktivität unserer Produktpalette.Auch in Märkten, in denen sich die Gesamtmarktzahlen negativ entwickeln, konnten wir die Verkäufe steigern, wie beispielsweise in Japan mit über 20 Prozent", erklärte der Vertriebsvorstand von Daimler-Chrysler, Dieter Zetsche.Deutliche Zuwächse um 37 Prozent wurden im europäischen Ausland erzielt.Auf den drei großen westeuropäischen Auslandsmärkten Großbritannien (plus 23 Prozent), Frankreich (plus 51 Prozent) und Italien (plus 38 Prozent) wurden Rekorde erzielt.Mercedes-Benz sei damit auf dem besten Wege zum angestrebten Jahresziel von rund 950 000 Autos, erklärte Vertriebschef Zetsche.

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