Wirtschaft : Brüssel prüft Staatshilfen für Fiat

Italiens Regierung kündigt Rettungsplan an / Mitarbeiter demonstrieren gegen Massenentlassungen

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Mailand/Frankfurt (mab/hof/HB). Der Rettungsplan für den schwer angeschlagenen Autohersteller Fiat nimmt Formen an. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat bei EUWettbewerbskommissar Mario Monti sondiert, zu welchen Bedingungen eine direkte Kapitalbeteiligung des Staates von Brüssel genehmigt würde. Monti bestätigte gestern, ein Telefonat mit dem Premier geführt zu haben. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi signalisierte unterdessen seine grundsätzliche Bereitschaft, sich mit Hochdruck der möglichen Staatshilfen anzunehmen. „Ich verspreche, den Problemfall Fiat mit großer Schnelligkeit zu untersuchen, um die Situation nicht weiter zu verschlechtern," sagte der italienische Politiker bei einem Besuch in Turin.

Berlusconi hatte am Sonntag mit der Führungsspitze des Unternehmens einen Plan diskutiert, der den vollständigen Ausstieg der Familie Agnelli aus der Autosparte des größten italienischen Industriekonzerns vorsehen würde. Demnach soll die von den Agnellis kontrollierte Konzernmutter Fiat ihren Anteil von 80 Prozent an Fiat Auto für den symbolischen Betrag von 1Euro abgeben. Dann würde der US-Konzern General Motors (GM), der heute bereits 20 Prozent an Fiat Auto hält, gemeinsam mit den Hausbanken des Unternehmens und dem Staat eine neue Gesellschaft gründen. In sie flössen alle Aktivitäten von Fiat Auto, inklusive der Marke Alfa Romeo und eventuell auch des Anteils von Fiat an Ferrari. General Motors wollte sich dazu gestern nicht äußern.

Banken unter politischem Druck

Die italienischen Banken (Intesa, San Paolo IMI, Capitalia) stehen nach Angaben aus Finanzkreisen unter politischem Druck der Zentralbank, einen Teil ihrer Kredite in Eigenkapital des geplanten neuen Unternehmens umzuwandeln. Weiteres Geld wollten sie aber nicht investieren. Frische Mittel sollen nach dem Regierungsplan GM und der italienische Staat dazu geben. Mailänder Banker sprechen von drei Milliarden Euro. In diesem Jahr wird Fiat Auto wahrscheinlich rund zwei Milliarden Euro verlieren. Würde der Plan realisiert, soll GM laut Regierungskreisen mit einem Anteil von 40 bis 50 Prozent die unternehmerische Führung in der neuen Gesellschaft ausüben.

Die Banken dürften auf einen Anteil von 30 bis 40 Prozent kommen und drängen auf eine Ausstiegsklausel nach 2004. Der Staat will sich für rund eine Milliarde Euro einen Anteil von 20 bis 25 Prozent kaufen. Experten halten die Lösung für EU-konform.

Eine ganze Reihe von Fragen bleiben aber. So fragen sich Beobachter, zu welchen Konditionen GM bereit wäre, frisches Geld in die defizitäre Autosparte von Fiat zu stecken. Analysten erwarten, dass der US-Konzern den Wert seiner Beteiligung (etwa 2,4 Milliarden Dollar) voraussichtlich vollständig abschreiben wird. „Ohne Zückerchen wird sich GM nicht erweichen lassen, die Anteile der Agnellis zu übernehmen", sagte ein Fiat-Insider. Eine zweite offene Frage betrifft die Haltung der Familie Agnelli, die nach dem Willen von Italiens Premier einen Teil der Lasten mittragen müsste: Sie soll auch Alt-Schulden von Fiat Auto übernehmen.

Keine rasche Fusion mit GM

Beobachter halten einen raschen Zusammenschluss von Fiat Auto mit der deutschen GM-Tochter Opel für unwahrscheinlich. Aus dem Umfeld von Opel ist zu hören, dass ein schnelles Zusammengehen mit Fiat die eigene Gesundung gefährden könnte. Opel sei bei seiner Restrukturierung weiter als die Italiener. Bis zum Ende des Jahres wird die Belegschaft um fast 15 Prozent kleiner sein als Anfang 2001, der Großteil der Überkapazitäten ist beseitigt.

Opel-Chef Carl-Peter Forster will Ende des kommenden Jahres die Gewinnschwelle erreichen. Fiat und Opel arbeiten schon seit zwei Jahren beim Teileeinkauf und bei der Motorenentwicklung im Joint Venture „Powertrain" zusammen. Die Synergien, die sich darüber hinaus bei einer Fusion mit Fiat ergeben würden, seien zu klein, um die Risiken zu rechtfertigen.

Hunderte Fiat-Angestellte demonstrierten unterdessen auch am Montag wieder gegen die Pläne der Konzern-Führung, über 8000 von derzeit rund 35 000 Stellen abzubauen. Im norditalienischen Arese bei Mailand, wo etwa 1000 Angestellte des Autobauers um ihre Arbeitsplätze bangen, traten zahlreiche Arbeiter in einen vierstündigen Ausstand und nahmen an Protestzügen teil. Dabei kam es auch erstmals zu Rangeleien mit der Polizei.

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