Wirtschaft : Brüssel rechnet mit pünktlichem Euro-Start

13 der 15 Staaten sind fit für die Währungsunion / Deutschland erreicht Stabilitätsziel
BRÜSSEL (tog).Die Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten wird rechtzeitig fit sein für den Euro.Das ist das Ergebnis der wirtschaftlichen Vorausschau, die die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel vorgelegt hat."Die Wirtschaftsdaten zeigen in die richtige Richtung.Wir sehen einen Silberstreif am Horizont", erklärte EU-Kommissar Yves-Thibault de Silguy, der in Brüssel für die Einführung des Euro zuständig ist.In diesem Jahr werden voraussichtlich 14 der 15 EU-Mitgliedstaaten Inflationsraten und langfristige Zinssätze auf einem historischen Tiefstand aufweisen, die den Maastrichter Stabilitätskriterien gerecht werden.Auch die anderen Voraussetzungen für ein stärkeres Wachstum seien geschaffen, sagte de Silguy am Mittwoch: "Die Märkte sind mehr und mehr sicher, daß die Währungsunion zum 1.1.1999 verwirklicht wird." Nach den Berechnungen der Kommission wird auch die Neuverschuldung der öffentlichen Haushalte im entscheidenden Jahr 1997, das als Grundlage für die Qualifikation zur Währungsunion herangezogen wird, in fast allen EU-Ländern unter der Maastrichter Toleranzgrenze von 3 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) liegen.Lediglich Italien mit 3,2 Prozent und Griechenland mit 4,9 Prozent werden das Ziel in diesem Jahr nicht erreichen.Deutschland wird nach den vorliegenden Berechnungen mit einem öffentlichen Defizit von 3,0 Prozent des BIP gerade an der Toleranzschwelle liegen. Beim Schuldenstand der öffentlichen Kassen sieht das Bild 1997 nicht so günstig aus.Lediglich in Frankreich, Luxemburg, Finnland und Großbritannien liegt die Gesamtverschuldung unter 60 Prozent des BIP.Während es jedoch fast allen EU-Partnerländern in den vergangenen Jahren gelungen ist, die Schulden zumindest leicht abzubauen, ist in Deutschland die Schuldenlast schon 1996 über die Maastrichter 60-Prozent-Grenze gestiegen.Für das Jahr 1997 haben die Experten eine Gesamtschuld von 61,8 Prozent des BIP berechnet, Tendenz steigend. Obgleich alle Wirtschaftsdaten auf ein solides Wirtschaftswachstum in der EU von 2,4 Prozent in diesem Jahr und 2,8 Prozent 1998 schließen lassen, die Exporte deutlich anziehen und auch die Lohnentwicklung europaweit gemäßigt verläuft, ist die Arbeitslosigkeit ein düsteres Kapitel in der Vorausschau der EU.Bei anhaltendem Wachstum können in der EU in den kommenden zwei Jahren zwar rund 2 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden.Da aber auch die beruflich aktive Bevölkerung zunimmt, wird die Arbeitslosenrate nur leicht sinken.In Deutschland und Frankreich werden sogar mehr Menschen als je zuvor arbeitslos sein.Nach den Brüsseler Berechnungen wird die Arbeitslosigkeit in den beiden Nachbarländern zunächst noch weiter ansteigen, in diesem Jahr ihren Höhepunkt erreichen und erst 1998 wieder zurückgehen.

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