Wirtschaft : Brüssel will bei Duty-Free hart bleiben

BRÜSSEL (AFP/HB).Im Streit um die Einstellung des Duty-Free-Handels innerhalb der EU will die EU-Kommission nicht einlenken.Eine Verlängerung des zollfreien Verkaufs auf Schiffen und Flughäfen könne nach Einschätzung einer Expertengruppe schädliche Auswirkungen auf die betroffenen Regionen haben, verlautete aus EU-Kreisen.Zudem habe die Branche die bereits 1991 eingeräumte Übergangsfrist nicht zur Umstellung genutzt.Der Duty-Free-Verkauf soll ab 1.Juli dieses Jahres nicht mehr zulässig sein.Einer Sprecherin der Brüsseler Behörde zufolge wird sich die EU-Kommission am Mittwoch mit dem Thema befassen.

Die Kommission befürchtet offenbar Schadensersatzansprüche für den Fall, daß die 1991 getroffene Entscheidung zur Abschaffung des zollfreien Handels revidiert wird.Damals hatte man den Händlern eine Übergangsfrist bis Juni 1999 eingeräumt, um dem Handel die Möglichkeit zur Umstellung zu geben.Unternehmen, die sich bereits vorbereitet hätten, würden durch eine Weiterführung im Wettbewerb benachteiligt, hieß es in Kommissionskreisen.

Experten in der EU-Kommission wiesen darauf hin, daß der zollfreie Handel zwischen 1991 und 1996 sogar noch um 60 Prozent gestiegen sei.Ginge der Duty-Free-Verkauf für eine begrenzte Zeit weiter, würde er nach den bisherigen Erfahrungen noch einmal ausgeweitet werden.Dies würde beim endgültigen Aus die Arbeitsmarktprobleme nur noch vergrößern.



Ein Eigentor geschossen

Nun soll es den Duty-Free-Shops auf den Flughäfen der Europäischen Union und den Butterschiffen vor der norddeutschen Küste also endgültig an den Kragen gehen.Die EU-Kommission hat signalisiert, daß sie im Streit mit den Betreibern nicht mehr länger bereit ist, deren Drängen nachzugeben, und den EU-Bürgern den zollfreien Verkauf auch bei Reisen innerhalb der Gemeinschaft zu gestatten.Schon einmal hatten die Händler mit dem Argument, über 100 000 Arbeitsplätze seien gefährdet, einen entsprechenden Beschluß abgewendet.Das war 1991.

Doch haben sie die Zeit der Übergangsregelung genutzt? Nein.Im Gegenteil: Die Umsätze der Shops wurden sogar noch einmal kräftig gesteigert.Die Branche hat sich nicht nach neuen Geschäftsfeldern umgesehen, mit denen sich Geld verdienen läßt.Dabei erkennt jeder, der einmal über einen europäischen Flughafen verreist ist, die großen Servicelücken, die sich dort auftun, und die sich mit etwas Phantasie in Goldgruben umwandeln lassen.Aber die Duty-Free-Betreiber haben sich auf dem Bestehenden ausgeruht und auf die Kraft ihrer Lobby vertraut.Dabei gibt es in einem zusammenwachsenden Europa schon lange keine überzeugende Begründung mehr für den zollfreien Verkauf an Reisende.In Wahrheit handelt es sich um nichts anderes als um eine versteckte Subvention.Eine Subvention, so sie gewährt wird, läßt sich aber allenfalls damit begründen, daß sie für eine Branche und damit deren Beschäftigten die Umstellung abfedern soll.Ziel muß immer sein, sie überflüssig zu machen.Im Falle der Duty-Free-Shops aber hat die Branche offensichtlich nicht daran gedacht, mit der Zeit zu gehen.Nun muß sie feststellen, daß sie ein Eigentor geschossen hat und ihre Argumente die Kommission nicht mehr erreichen.Die Beschäftigten, die jetzt um ihre Arbeitsplätze bangen müssen, können sich bei den Managern und deren Unbeweglichkeit "bedanken".

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