Wirtschaft : Brüssel wird den Öl-Deal unter die Lupe nehmen

BRÜSSEL (AFP).Die Wettbewerbshüter der Europäischen Kommission wollen die angekündigte Fusion der Ölkonzerne British Petroleum (BP) und Amoco unter die Lupe nehmen.Wie ein Kommissionssprecher am Mittwoch in Brüssel mitteilte, fällt der Firmenzusammenschluß zur BP Amoco plc."auf jeden Fall" in die Zuständigkeit der EU-Kartellwächter.Aus Kommissionskreisen war zu erfahren, daß sich die Behörde vor allem für die Bereiche Vertrieb und Petrochemie interessiert.In bestimmten Marktsegmenten könnte sich eine beherrschende Stellung des neuen Ölriesen ergeben, hieß es.Unterdessen betonte der Präsident des Bundeskartellamtes, Dieter Wolf, die Notwendigkeit einer internationalen Fusionskontrolle.

"Man muß wenigstens mal anfangen, sich auszutauschen", sagte Wolf im Saarländischen Rundfunk.Aus Sicht der Wettbewerbshüter sei es besorgniserregend, daß "mehr und mehr Mega-Fusionen getätigt werden, die gar keiner Kontrolle unterliegen".Die vorhandenen Kartellbehörden auf nationaler oder regionaler Ebene erinnerten eher an einen "Flickenteppich".Bei Fusionen, die die Weltmärkte betreffen, fehle "jede Art von Kontrolle".Wolf betonte, bei der Fusion von BP und Amoco habe das Bundeskartellamt "sicherlich ein Wörtchen mitzureden", letztlich entscheiden müsse aber die EU-Kommission.Große Bedenken sieht Wolf nicht; der Markt für Treibstoff sei sehr wettbewerbsintensiv.

Die geplante Fusion zwischen der British Petroleum Plc und der amerikanischen Mineralölgesellschaft Amoco Corp.bringt unterdessen Bewegung in den durch einen massiven Preisverfall angeschlagenen Weltölmarkt.Die Rohölpreise sind seit Herbst letzten Jahres von mehr als 20 Dollar je Barrel auf derzeit etwa 13 Dollar gefallen und liegen damit auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren.Dadurch sind die Gewinne der Ölkonzerne massiv unter Druck gekommen.

Zwar ändert die bisher mit Abstand größte Fusion im Ölsektor nichts an den Ölpreisen.Sie bietet dem neuen BP/Amoco-Konzern durch die geplanten Entlassung von bis zu 6000 der insgesamt 99 450 Mitarbeitern, einer Konsolidierung von Raffinerien und Chemiebetrieben sowie anderen Maßnahmen willkommene Kostensenkungsmöglichkeiten von zwei Mrd.Dollar.

Das weitaus wichtigere Fusionsziel ist aber die Größe.Sowohl BP als auch Amoco mußten bisher oft bei internationalen Großprojekten und Bohrausschreibungen in aller Welt hinter den beiden Marktführern Exxon (Umsatz 136,6 Mrd.Dollar) und der niederländisch-britischen Royal Dutch / Shell (128,1) zurückstehen.Amoco ist mit einem Umsatz von 36,3 Mrd.Dollar nach Exxon, Mobil (65,7), Texaco (46,6) und Chevron (42) nur der fünftgrößte US-Ölkonzern.

Die BP / Amoco kommt aber mit einem Umsatz von 108 Mrd.Dollar sofort in das Superliga der drei größten Ölkonzerne.Sie wird sogar Nummer zwei was Ölreserven sowie die Öl- und Erdgasprdoduktion anlangt und wird eine der weltgrößten Petrochemiefirmen.

Der Zusammenschluß bringt deshalb die jetzt noch weiter zurückgefallenen multinationalen Ölkonzerne wie Mobil, Texaco und Chevron und europäische Mitspieler in Zugzwang.Im vergangenen Jahr hatte es in der Mineralölbranche bereits eine ganze Serie mittelgroßer Fusionen, Übernahmen und Joint Ventures im Gesamtwert von 60 Mrd.Dollar gegeben.Der BP/Amoco-Deal kostet etwa 49 Mrd.Dollar.Der endgültige Kaufpreis hängt vom BP-Aktienkurs bei Fusionsabschluß ab.Texaco, Shell und der saudi-arabische Ölkonzern Aramco haben in den USA kürzlich ihre Tankstellen- und Vertriebsorganisationen zusammengefaßt.BP und Mobil hatten in Europa vorexerziert, wie man dadurch Kosten drücken kann.

Amoco ist der mit Abstand größte nordamerikanische Erdgasproduzent und einer der führenden Hersteller petrochemischer Produkte.Amoco verfügt auch über eines der größten Tankstellennetze in den USA.Das Unternehmen hat aber nicht genug eigenes Rohöl und war trotz Milliardeninvestitionen international relativ schwach.

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