Wirtschaft : Brummi-Streik läßt Preise steigen

Deutsche Einzelhändler ohne Nachschub aus Frankreich / Autobauer vor Kostenlawine PARIS/BONN (wei/dpa/AFP).Der französische Fernfahrerstreik droht sich zu einer ernsten Belastung der bundesdeutschen Wirtschaft auszuweiten.Die Automobilhersteller rechnen mit Engpässen bei Zulieferteilen.Die Nahrungsmittelbranche geht ebenfalls von Nachschub-Problemen aus - und kündigte den Verbrauchern bereits für die nächsten Tage Preiserhöhungen an. Mit Bahn- und Flugtransporten sowie Kleinlieferwagen wollen die Autobauer Engpässe bei der Versorgung mit Zubehörteilen während des Streiks überbrücken.Die Produktion sei zwar noch gesichert, jedoch würden die Lagerbestände und alternative Lieferwege geprüft, teilten mehrere Firmensprecher am Montag mit. "Mit dem Schlimmsten" rechnete die Kölner Ford-Werke AG.Sollte der Streik mehrere Wochen andauern, sei der Stillstand einzelner Produktionszweige nicht auszuschließen, sagte Sprecher Bernd Meier.Während der mehrwöchigen Blockade im vergangenen Jahr habe das Unternehmen einen Millionenbetrag aufwenden müssen, um die Produktion aufrecht zu erhalten.Die Audi AG kann nur "die nächsten Tage noch überbrücken".Falls der Streik auf die Schiene übergreift, befürchtet Opel ernsthafte Probleme für das Eisenacher Werk, das derzeit von 18 französischen Firmen unter anderem mit Reifen und Bremsverstärkern versorgt wird. Der deutsche Einzelhandel geht davon aus, bei Obst und Gemüse schon am Wochenende um Preiserhöhungen kaum herumzukommen.Zwar setzen Handelsketten in diesen Tagen bei Importen aus Portugal oder Spanien verstärkt auf die Schiene.Doch wegen ihrer begrenzten Kapazitäten kann die Bahn die Folgen eines längeren Arbeitskampfes bestenfalls mildern.Obst und Gemüsehändler berichten bereits von Transportfirmen, die wegen drohender Straßensperren alle Transitfahrten durch Frankreich storniert haben."Dadurch ist der Gemüsepreis in einigen Unternehmen jetzt schon gestiegen", sagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Fruchthandelsunternehmen, Michael Krebs.Zwar sei eine "Unterversorgung" mit frischem Gemüse nicht zu erwarten, "aber der Verbraucher muß sich auf höhere Preise einstellen".Das sehen auch große Lebensmittelketten so: "Wenn der Streik am Mittwoch oder Donnerstag noch andauert, sind schon am Wochenende Preiserhöhungen möglich", räumte Raimund Esser von der Rewe ein.Bei Obst und Gemüse seien Spanien und Portugal in dieser Jahreszeit die Hauptimportländer des deutschen Handels, Frankreich wird dadurch zum "Haupttransitland". Große Skepsis herrscht auch bei Weinhändlern."Wir können uns auf solche Streiks nicht vorbereiten", sagt Mechthild Schneiders von "Jacques Weindepot", Düsseldorf.Zwar seien in den Lagern Vorräte für die bundesweit 120 Filialen angelegt worden, doch die reichten gerade mal für eine Woche: "Eine Durststrecke über zwei bis drei Wochen können wir ohne Engpässe nicht überstehen." Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann wollte den französischen Verkehrsminister J-C.Gayssot noch am Montag schriftlich dazu auffordern, dafür zu sorgen, daß deutsche Fernfahrer durch den Streik nicht behindert werden.Wer für die Folgen solcher Behinderungen hafte, sei rechtlich nicht abschließend geklärt, sagte der Sprecher Wissmanns, Veith Steinle.Aufgrund der Blockaden Ende 1996 befinde sich aber eine Musterklage in Vorbereitung.Nach Angaben des Bundesverbandes Güterkraftverkehr und Logistik (BGL) haftet der französische Staat grundsätzlich für Schäden, die durch die Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung entstehen.BGL-Hauptgeschäftsführer Karlheinz Schmidt bezifferte den 1996 entstandenen Umsatzausfall des Transportgewerbes am Montag mit rund 50 Mill.DM.Damals waren rund 2000 deutsche Brummis zwölf Tage lang blockiert.Dieses Mal steckten maximal 200 deutsche Fahrzeuge fest, sagte Schmidt.Betroffen seien jedoch 5000 bis 7000 Lkw, die keine Transporte über die deutsche Westgrenze abwickeln können.

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