Bruttoinlandsprodukt : Die Talfahrt verlangsamt sich

Das Bruttoinlandsprodukt ist laut DIW-Prognose zwischen April und Juni um 0,8 Prozent geschrumpft. Die Industrie ist auf das Niveau von vor zehn Jahren abgerutscht.

BerlinDie deutsche Wirtschaft hat ihre Talfahrt nach Berechnungen des DIW-Instituts im Frühjahr etwas gebremst. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte von April bis Juni zum Vorquartal um 0,8 Prozent geschrumpft sein, wie die Berliner Forscher am Mittwoch in ihrem Konjunkturbarometer feststellten. Im ersten Quartal belief sich das Minus noch auf 3,8 Prozent – das war der stärkste Rückgang der Wirtschaftsleistung seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1970.

"Der freie Fall in der Industrie ist zwar gestoppt", sagte DIW-Experte Stefan Kooths. Allerdings sei die Fallhöhe extrem groß: "Produktion und Bestellungen sind auf einem Niveau aufgeschlagen, das zuletzt vor zehn Jahren beobachtet wurde."

Mehr als sieben Prozent weniger Wirtschaftsleistung als im Vorjahresquartal

Wie weit die Wirtschaft mittlerweile von dem Niveau der Boomzeiten entfernt ist, zeige sich am Vergleich mit dem Vorjahresquartal. Nach Berechnungen des DIW schrumpfte die Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Frühjahr 2008 um mehr als sieben Prozent.

Der Auftragseingang in der Industrie habe sich seit Jahresbeginn zwar stabilisiert, doch auf sehr niedrigem Niveau. "Sofern sich die Auftragslage nicht rasch und kräftig erholt, sind erhebliche Kapazitätsanpassungen und damit vor allem gesamtwirtschaftlich empfindliche Arbeitsplatzverluste unvermeidlich", warnte das Institut.

Für das Produzierende Gewerbe erwartet das DIW im Frühjahr einen weiteren Rückgang der Wertschöpfung um 2,8 Prozent, nachdem es zum Jahresauftakt bereits einen Einbruch um 13 Prozent gegeben hatte. Der von den der milden Witterung profitierende Baubereich habe im Frühjahr wohl um 0,6 Prozent zugelegt. "Ein spürbarer Aufwind durch die konjunkturstützenden Investitionsmaßnahmen ist aber erst für die zweite Jahreshälfte zu erwarten", teilte das DIW weiter mit. (Zeit Online, Reuters)

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