Wirtschaft : BSE: Die Alternativen zu Tiermehl sind teuer

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Das von der Bundesregierung geplante Tiermehl-Verbot wird für die betroffenen Branchen teuer. Allein auf die deutsche Fleischmehlindustrie kommen nach eigener Schätzung rund 900 Millionen Mark pro Jahr an Folgekosten zu. "Es ist noch nicht geklärt, wer das alles bezahlt", sagte der Präsident des Verbands der Deutschen Fleischmehlindustrie, Manfred Brunner, am Montag. Der Verband hoffe auf Kompensation durch Bund und Länder.

Auch der Deutsche Bauernverband sieht infolge der notwendig werdenden Umstellung von Tiermehl auf andere eiweißhaltige Futtermittel hohe Kosten auf die Landwirte zukommen. Als Ersatz für das Tiermehl kommen nach Aussage von Helge Amberg, Referatsleiter Futtermittelproduktion beim Deutschen Bauernverband, vor allem Soja, aber auch Rapsschrot, Erbsen und Ackerbohnen in Frage. Um die gleiche Futterqualität zu erhalten, wie bei Tiermehl, müssten aber - je nach Bedarf - zusätzlich Eiweißstoffe beigemischt werden, sagte der Experte. Tiermehl enthalte etwa 50 bis 55 Prozent Eiweiß, Sojabohnen nur 42 bis 44 Prozent. Vor allem die Anreicherung mit zusätzlichem Eiweiß verursache Kosten, sagte Amberg. Auch die Bauern hofften auf eine Kompensation.

Logistisch sei die Umstellung von Tiermehl auf anderes Eiweißersatzfutter aber kein Problem. "Kein Tier wird verhungern müssen", sagte Amberg. Nach Angaben des Verbandes kann zunächst einmal nicht ausreichend Soja aus dem Inland beschafft werden. Zu den schon jetzt von der EU importierten 16 bis 17 Millionen Tonnen Sojabohnen und Sojaschrot pro Jahr müssten künftig weitere 2,9 bis drei Millionen Tonnen eingeführt werden. Hauptlieferanten für Soja seien - neben den USA - Argentinien, Brasilien und Fernost. Lieferprobleme seien nicht zu befürchten.

Der Preis für Sojabohnen, der ohnehin gestiegen ist, wird durch die Währung zusätzlich belastet, da die Hülsenfrucht international in Dollar gehandelt wird. Die Tonne kostet derzeit 207 Dollar (umgerechnet 482,26 Mark). Da der Dollarkurs in den letzten Monaten im Vergleich zum Euro erheblich angestiegen ist, würden auch die deutschen Soja-Importe teurer, hieß es beim Bauernverband.

Auf die EU wird im Zuge der zunehmenden Soja-Importe aber möglicherweise noch ein anderes Problem zukommen: In den USA besteht heute bis zu 40 Prozent der Sojaernte aus Pflanzen mit genetisch verändertem Saatgut. Nach Angaben Ambergs gibt es derzeit keine Vorschrift, die die Verfütterung genetisch veränderter Pflanzen verbietet.

Ein großes Problem haben aber auch die bundesweit rund 35 Tiermehl-produzierenden Betriebe, die im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben durch den Verkauf von Tiermehl rund 467 Millionen Mark erzielt hat. Um Seuchen zu verhindern, müssen sie auch in Zukunft Kadaver von Landwirten und Schlachtereien abholen, sterilisieren und zu Tiermehl verarbeiten. "Das Problem ist nur, dass kein Mensch es mehr kauft." Durch die notwendig werdende Vebrennung kämen auf die Produzenten Kosten in Höhe von 200 Millionen Mark sowie eventuelle Lager- und Transportkosten zu, sagte Brunner. Noch sei zudem nicht geklärt, wo das überflüssige Tiermehl verbrannt werden könne.

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