Wirtschaft : BSE-Krise: "Die Verbraucher stimmen mit dem Portemonnaie ab"

Herr Tangermann[die Neubesetzung im Landwirtschaf]

Herr Tangermann, die Neubesetzung im Landwirtschaftsministerium soll einen Neuanfang in der Agrarpolitik einläuten. Werden so mehr Stellen geschaffen?

In der Öko-Landwirtschaft können mehr Stellen entstehen.

Wrd dies den Stellenabbau in der konventionellen Landwirtschaft kompensieren?

Kaum, seit Jahren sinkt die Beschäftigung in Europas Landwirtschaft. Dieser Trend wird anhalten. Die neuen Arbeitsplätze in der Öko-Landwirtschaft werden nur dann von Dauer sein, wenn die Politik diesen Bereich stärker als bisher subventioniert. Denn die Öko-Landwirte arbeiten zu höheren Kosten, etwa 25 Prozent über denen der anderen Bauern. Und diese Kosten können die Öko-Bauern nicht durch entsprechende Marktpreise decken, wenn mehr Ökoprodukte in den Markt gedrängt werden.

Die Verbraucher ziehen nicht mit?

Wenn alle wollten, könnten weite Teile der Landwirtschaft biologisch wirtschaften. Aber die deutschen Verbraucher stimmen mit dem Portemonnaie ab. Nicht jeder möchte Bioprodukte.

Der Verbraucher im Dilemma?

Wenn Sie so wollen. Nicht alle können sich Extra-Qualität leisten. Aber der Staat muss dafür sorgen, dass auch bei normalen Qualitäten eine Gesundheitsgefahr ausgeschlossen ist. Hier wurde die BSE-Bedrohnung falsch eingeschätzt. Die Kontrollen waren zu lasch. Man hätte hohe Strafen verhängen müssen - bis zum Berufsverbot.

Bleiben wir bei den Subventionen. Wie viel wird Hans Eichel locker machen müssen?

Seriös lässt sich das nicht quantifizieren. Jedenfalls würden die Subventionen zu einem Dauerproblem. Dabei wäre wichtig, dass die deutsche Landwirtschaft wettbewerbsfähig bleibt.

Hat aber nicht gerade das Subventionssystem größere Agrarbetriebe und die Intensivierung der Landwirtschaft gefördert?

Das Gegenteil ist der Fall. Die Subventionen haben mit der Krise nichts zu tun. Bei der Bewertung von Subventionen kommt es darauf an, wie sie eingesetzt weren. Ein Großteil kommt im Rahmen der Agrarreformen dem Einkommensausgleich der Bauern zugute. Die Mengenproduktion wird weniger als früher durch hohe Preise angeheizt. Statt dessen bekommen die Bauern zum Einkommensausgleich Geld vom Staat.

Steht der globale Preisdruck einer Neuausrichtung nicht im Wege?

Nein, nicht der Preisdruck ist problematisch, sondern falsch ausgerichtete Subventionen, die die Mengenproduktion fördern. Und noch ein Problem haben wir: Wenn wir höhere Qualitätsstandards in Europa durchsetzen wollen, müssen wir dafür eine wissenschaftliche Legitimation vorweisen können. Wie schwer das werden kann, haben wir im Streit mit den Amerikanern um EU-Rindfleischimporte, in denen Hormone nachgewiesen werden konnten, gesehen. Europa konnte sich nicht durchsetzen.

Warum haben die Deutschen ihre Spielräume in der Agrarpolitik nicht stärker genutzt?

Als EU-Nettozahler waren die Deutschen immer daran interessiert, auch einiges aus der Brüsseler Kasse zurückzubekommen.

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