Wirtschaft : BSE: Risiko-Wurst bleibt im Supermarkt

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Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Bündnis 90/Grüne) wird keine Eilverordnung erlassen, um zweifelhafte Wurstwaren aus den Läden zurückzuholen. Dafür gebe es keine gesetzliche Grundlage, sagte eine Sprecherin am Donnerstag in Berlin. Die Fleischwarenindustrie rief Hersteller inzwischen zu einer freiwilligen Rücknahme riskanter Wurstwaren auf. Handelsketten wie Tengelmann, Metro und Spar kündigten eine Überprüfung an.

Am Mittwochabend hatte Ministerin Fischer Hersteller und Handel aufgefordert, vor dem 1. Oktober produzierte Wurstwaren mit so genanntem Separatorenfleisch zurückzuziehen.

Das so genannte Separatorenfleisch wird als Billigrohstoff bei der Fleischerzeugung verwendet. Die "paströse Masse" wird nach Angaben von Manfred Gareis von der Bundesanstalt für Fleischforschunglaut aus Fleisch "von allen möglichen Knochen" aus dem In- und Ausland hergestellt und kann tiefgefroren noch Jahre später verarbeitet werden. Ein Nachweis darüber, woher das Fleisch stammt, sei äußerst schwierig. Da das Fleisch maschinell vom Knochen getrennt werde, könne niemand ausschließen, dass auch Risikomaterial des Zentralen Nervensystems von Rücken und Wirbelsäule der Rinder verwendet werde, das als BSE-Träger gilt, sagte Gareis.

Der Verbraucher kann das allerdings nur erahnen, wenn er seine Blut- oder Leberwurst im Handel kauft. Eine Kennzeichnungspflicht für Aufschnitt, das unter Verwendung des fein zerkleinerten Knochenfleischbreis hergestellt wurde, gibt es nach Auskunft von Thomas Vogelsang, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Fleischwarenindustrie, nämlich nicht.

Separatorenfleisch, sagte Vogelsang, werde nur "von einem Bruchteil der Hersteller" in erhitzen Fleischprodukten wie Brüh- oder Kochwurst sowie Dosenfleisch verwendet, und auch hier nur bei den "einfachen Qualitäten". Der Verband habe die Hersteller inzwischen aufgefordert, entsprechende Produkte, die vor dem 1. Oktober hergestellt worden sind, freiwillig zurückzuziehen. Wirtschaftliche Auswirkungen befürchte der Verband nicht.

"Die Fleischwarenbranche hat es nicht verstanden, für Transparenz und Glaubwürdigkeit zu sorgen", kritisierte Fleischforscher Gareis. Deswegen sei es umso wichtiger, dass die Wirtschaft jetzt ein klares Zeichen setze. Ein Signal könnte schon bald aus Brüssel kommen: In der EU-Kommission wird nach Angaben von Fleischlobbyist Vogelsang derzeit intensiv über eine Kennzeichnungspflicht für Wurstwaren diskutiert, die Separatorenfleisch enthalten. Sie werde möglicherweise schon im nächsten Jahr in Kraft treten, sagte Vogelsang.

Wurstproduzenten wie Zimbo oder Herta betonten unterdessen, dass sie bei der Herstellung ihrer Produkte auf Knochenfleisch verzichteten. "Das haben wir noch nie verwendet", sagte Willi Denicke, Sprecher des Wurstherstellers Zimbo, der jähr,lich 55 000 Tonnen Wurstwaren produziert. Die von Fischer geplante Rückholaktion hält er für "abenteuerlich und übertrieben". Auch die Herta GmbH teilte mit, sie verwende weder Separatorenfleisch noch Hirn oder Rückenmark.

Der Lebensmitteleinzelhandel geht davon aus, dass der erneute Vorstoß von Ministerin Fischer "erhebliche Auswirkungen" auf die Betriebe haben wird. "Wir müssen jetzt erst einmal feststellen, in welchen Wurstprodukten Separatorenfleisch enthalten ist und dann entscheiden, ob wir Produkte breitflächig aus dem Angebot nehmen", sagte der Geschäftsführer des Deutschen Lebensmitteleinzelhandels, Marcus Girnau.

Große Handelsketten wie Metro, Karstadt, Tengelmann, Rewe und Spar haben sich unterdessen bei ihren Lieferanten erkundigt, ob BSE-verdächtiges, von Knochenstücken abgetrenntes Rindfleisch verwendet werde. Im Zweifel würden die Produkte aus dem Regal verbannt, hieß es übereinstimmend.

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