Wirtschaft : BSH bekennt sich zu Deutschland

Bosch Siemens Hausgeräte verkauft mehr im Inland – die Zukunft des Berliner Werks bleibt ungewiss

Nicole Huss

München - Nach drei Rekordjahren in Folge stellt sich Bosch Siemens Hausgeräte (BSH) im laufenden Jahr auf moderates Wachstum ein. Dank hoher Zuwachsraten auf dem Heimatmarkt will der größte deutsche Hausgeräte-Hersteller an seinen deutschen Standorten festhalten. Ob das Berliner Waschmaschinenwerk langfristig eine Perspektive hat, ließ Konzernchef Kurt-Ludwig Gutberlet offen.

BSH sei gut ins neue Jahr gestartet, sagte Gutberlet am Dienstag in München. Alles deute darauf hin, dass BSH 2007 ein weltweites Umsatzwachstum von mehr als fünf Prozent erreichen werde. Um das zu erreichen, seien jedoch Preiserhöhungen von zwei bis vier Prozent nötig, kündigte Gutberlet an. Als Grund nannte er höhere Materialpreise.

Nach jahrelanger Flaute hat BSH 2006 von einem kräftigen Aufschwung der Branche profitiert. Der weltweite Umsatz mit weißer Ware – dazu zählen Kühlschränke, Spülmaschinen und Geschirrtrockner – stieg dank des positiven Konsumklimas um sechs Prozent. In Deutschland legte er um acht Prozent zu – auch, weil sich vor der Erhöhung der Mehrwertsteuer noch viele Verbraucher mit neuen Geräten eingedeckt haben. Bosch Siemens profitierte zudem von der verstärkten Nachfrage nach hochwertigeren Geräten. Der Kauf von Billigware ist Gutberlet zufolge deutlich zurückgegangen.

Der Konzernumsatz stieg 2006 um 13 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro. Der Konzern wuchs damit mehr als doppelt so schnell wie der Weltmarkt. In Deutschland legte BSH beim Umsatz sogar 15 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro zu. Das Vorsteuerergebnis von BSH erhöhte sich um 8,4 Prozent auf 542 Millionen Euro. Insgesamt erwirtschaftet BSH inzwischen 78 Prozent seines Umsatzes im Ausland. Starke Wachstumsraten weist der Konzern vor allem in der Türkei, Osteuropa, Brasilien und China aus. Deshalb hat BSH 2006 verstärkt in den Ausbau ausländischer Standorte investiert.

Trotz der Auslandsexpansion bekennt sich BSH zu seinen deutschen Standorten. „Es ist nicht geplant, die bestehende Produktion ins Ausland zu verlagern“, sagte Gutberlet. Ob das Waschmaschinenwerk in Berlin-Gartenfeld langfristig eine Zukunftsperspektive hat, wollte BSH nicht sagen. „Wir machen uns in Standortforen regelmäßig Gedanken darüber, wie es nach 2010 weitergehen soll“, sagte Finanzvorstand Wolfgang Colberg nur. Im vergangenen Herbst hatte BSH im Streit um das von der Schließung bedrohte Werk nach Zugeständnissen der Arbeitnehmer eingelenkt. 270 der 570 Arbeitsplätze in der Fertigung bleiben zunächst bis 2010 erhalten. Den Großteil der Waschmaschinenproduktion hat BSH in das modernere Werk im brandenburgischen Nauen verlagert, wo künftig jährlich 900 000 Geräte gefertigt werden.

Die Berliner Beschäftigten sind skeptisch, was ihre Zukunft betrifft: „Wir stehen von der Kostenseite her sehr gut da, können aber nicht mit Werken in Polen oder der Türkei konkurrieren“, sagte Betriebsrat Hüseyin Akyurt dem Tagesspiegel. Der Betriebsrat fordert für die Berliner Fertigung eine neue Produktlinie, die den Bestand des Werkes über das Jahr 2010 hinaus sichern könnte.

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