BSH : Schmutzige Wäsche

Der Haushaltsgerätehersteller BSH soll Verkäufer bestochen haben – kein Einzelfall, sagen Kritiker.

Moritz Honert
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Alles sauber? Fachberatung ist oft nicht gut, sagen Verbraucherschützer. -Foto: pa/gms

Berlin - Es könnte ein Vergehen ohne Strafe sein. In den späten 90er Jahren soll die BSH Bosch und Siemens Haushaltsgeräte GmbH Verkäufer von Discountern und Elektrofachmärkten mit Waren-, Reise- und Tankgutscheinen bestochen haben. Dadurch sollten die Mitarbeiter animiert werden, ihren Kunden vor allem BSH-Geräte zu empfehlen. Das bestätigte eine Sprecherin des Münchner Unternehmens dem Tagesspiegel.

Doch selbst wenn sich der Verdacht bestätigen sollte, ist derzeit unklar, ob sich jemals jemand dafür vor Gericht verantworten muss. Die Höchststrafe für Bestechung liegt bei drei Jahren Gefängnis. „Für uns sind nur Vergehen ab 2004 relevant“, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München, die derzeit die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Bestechung gegen Unbekannt prüft. Frühere Fälle seien inzwischen verjährt. Bei der BSH geht man auf Nummer sicher. Bereits in der vergangenen Woche hat man der Staatsanwaltschaft Unterstützung bei möglichen Ermittlungen zugesagt.

Bei der Gewerkschaft Verdi zeigte man sich von den Korruptionsvorwürfen nicht sonderlich überrascht. „Dass im Einzelhandel mit harten Bandagen vorgegangen wird, sehen wir jeden Tag“, sagte ein Sprecher. „Der Markt ist hart umkämpft.“ Ungewöhnlich sei aber, wie weit unten auf der Hierarchieleiter die mutmaßlichen Bestechungsversuche angesiedelt gewesen sein sollen. Gewöhnlich gerieten Manager und Einkäufer unter Verdacht, Verkäufer aber eher selten.

Tatsächlich ist die Staatsanwaltschaft in München nicht die erste, die sich mit Korruptionsvorwürfen im Einzelhandel beschäftigt. Erst 2006 musste sich der Elektrokonzern Philips wegen des Verdachts rechtfertigen, Einkäufer von Elektronikmärkten, darunter Media Markt und Saturn, bestochen zu haben. Auch damals ging es neben teuren Uhren unter anderem um Gutscheine.

„Solchen Anreizmodellen begegnen wir seit über zwanzig Jahren immer wieder“, sagte ein Sprecher der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Bis heute würden regelmäßige Stichproben der Verbraucherschützer zeigen, dass Verkäufer nicht immer die besten Geräte empfehlen oder in gewünschtem Maße über Produkteigenschaften aufklären. Als Verbraucher sei man nur auf der sicheren Seite, wenn man sich selbst vorab informiere.

Beim Einzelhandelsverband HDE wehrt man sich gegen eine solche pauschale Verurteilung. Eine Sprecherin sagte: „Dass es sich bei solchen Anreizmethoden um alltägliche Praxis handelt, kann ich nicht bestätigen.“

Ein Sprecher der beiden zur Metro Gruppe gehörenden Elektrofachmärkte Saturn und Media Markt wollte zu den Vorwürfen bei BSH keine Stellung nehmen. Auch bei der Konkurrenz, den Haushaltsgeräteherstellern Miele und Bauknecht, hieß es: „Kein Kommentar.“ Die gleiche Antwort gab es bei der BSH auf die Frage, ob die Verwendung von Gutscheinen inzwischen eingestellt worden sei. Moritz Honert

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