Wirtschaft : Buchhaltung in Portugal

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Ulrich Schumacher muss sparen. „Die Profitabilität und die Standorte aller Verwaltungsfunktionen bei Infineon werden überprüft“, sagte der Vorstandschef am Montag. Damit nährte er Spekulationen, der Konzern werde nicht nur – wie angekündigt – die Buchhaltung nach Portugal verlegen. Ganze Geschäftsbereiche wolle Infineon geographisch zerlegen, um sie künftig an die Börse zu bringen, hatte es in einem Zeitungsbericht geheißen. Derart weitreichende Pläne dementierte Schumacher zwar. In der Sache bleibt es aber dabei: Infineon wird auch für andere Bereiche der Konzernverwaltung nach Möglichkeit Standorte im Ausland suchen, an denen die Lohnkosten niedriger als in Deutschland sind.

International aufgestellte Konzerne wie Infineon bemühen sich, Verwaltung und Abwicklung schlanker zu machen und Holdingstrukturen zu verkleinern. Softwarekonzerne lassen in Indien programmieren, die Lufthansa betreibt ihre CallCenter in Irland, Adidas-Salomon bezieht seine Turnschuhe aus Asien. Doch die Dezentralisierung hat ihre Grenzen. So zögern etwa die Großbanken ihr so genanntes Back-Office, also die Abwicklung des Zahlungsverkehrs oder des Wertpapierhandels, ins Ausland zu verlegen. „Es geht um höchst sensible Kundendaten“, sagt ein Commerzbank-Sprecher. Die sollen nicht auf einem Computer in einem preiswerten, aber möglicherweise unsicheren Entwicklungsland verwaltet werden. Auch die Allianz legt Wert darauf, dass die Bearbeitung ihrer Versicherungspolicen und die Schadenabwicklung im Land bleiben – meist sogar regional, in der Nähe des Kunden. „Sonst hätten wir als deutscher Versicherer ein Glaubwürdigkeitsproblem“ sagt ein Sprecher. Kosten zu sparen, ist eine Sache. Die Reibungsverluste, die bei einer geographischen Dezentralisierung entstehen, „können die geplante Ersparnis schnell auffressen“, heißt es bei einem Pharmakonzern. mot

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