Buchhandel : Thalia verliert Karstadt-Geschäft

Überraschendes Aus: Die geplante Übernahme der Karstadt-Buchabteilungen durch die Handelskette Thalia ist geplatzt. Die betroffenen Karstadt-Mitarbeiter erhoben Einspruch.

J. Hofer,C. Schlautmann
Thalia
Geplatzter Deal: Thalia blitzt bei Karstadt ab. -Foto: ddp

München/Düsseldorf - Die Buchhandelskette Thalia ist mit ihrem Versuch gescheitert, den Abstand zum Branchenführer Hugendubel/Weltbild zu verkürzen. Wie die Tochter der Hagener Douglas-Holding am Dienstag mitteilte, ist die ursprünglich für den kommenden Februar geplante Übernahme der Karstadt-Buchabteilungen geplatzt. Ein Sprecher von Arcandor, dem Mutterkonzern von Karstadt, bestätigte das überraschende Aus der Vereinbarung.

Als Grund nannten die Unternehmen nebulös „unterschiedliche Auffassungen zu den Modalitäten der zukünftigen Zusammenarbeit“. Wie das „Handelsblatt“ erfuhr, scheiterte die Übernahme der 89 Buchabteilungen jedoch am Einspruch der betroffenen Karstadt-Mitarbeiter.

Bei der Gewerkschaft Verdi heißt es, dass die ehemaligen Karstadt-Buchabteilungen nicht in die Betriebsorganisation von Thalia integriert, sondern in Form einer eigenständigen Gesellschaft weitergeführt werden sollten. Dort aber hätte es zunächst – anders als beim alten Arbeitgeber Karstadt – keinen Betriebsrat gegeben. Die Ex-Karstadt-Verkäufer hätten die Arbeitnehmervertretungen nach dem geplanten Betriebsübergang mühsam in den einzelnen Filialen gründen müssen, um sie dann später eventuell zu einem Gesamtbetriebsrat zusammenzuschließen. Die sozialen Besitzstände der ehemaligen Warenhausmitarbeiter, die Insider als „enorm“ bezeichnen, wären damit womöglich in Gefahr geraten.

Der lachende Dritte ist nun die DBH Buch Handels GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen des Münchener Buchhändlers Hugendubel und der Augsburger Verlagsgruppe Weltbild. Denn das Joint-Venture übernimmt den Part von Thalia zumindest teilweise. Der Marktführer wird zum April 2008 insgesamt 52 von Karstadts 89 Buchabteilungen erwerben. Die restlichen Verkaufsflächen macht Karstadt dicht und will sie für andere Sortimente nutzen.

Weltbild-Chef Carel Halff ist begeistert über den Deal: „Das ist ein Glücksfall für uns, damit können wir unsere Reichweite erheblich steigern.“ Er versprach, die Abteilungen als selbstständige Filialen zu führen, die sich auf die örtlichen Ansprüche einstellen. Damit will er den Umsatz ankurbeln und das Geschäft profitabler als bisher betreiben. Karstadt erwirtschaftete mit Büchern zuletzt einen Umsatz von 70 Millionen Euro im Jahr.

Der Warenhauskonzern profitiert von dem Geschäft zweifach: Zum einen erhält Karstadt für Sachanlagen und Vorratsvermögen einen – ungenannten – Kaufpreis, zum anderen winken ihnen Mietzahlungen von DBH. „Mit der Umstellung auf den neuen Betreiber werden wir schon vor Weihnachten beginnen“, sagte ein Arcandor-Sprecher.

Zu den Hintergründen des geplatzten Deals mit Thalia wollte man sich in Essen nicht äußern, auch ein Douglas-Sprecher machte keine näheren Angaben. Er verwies darauf, dass die Tochter Thalia auch aus eigener Kraft genügend Wachstumspotenzial besitze. Allein in den letzten zwölf Monaten habe man 20 neue Standorte eröffnet. Der Abstand zu Hugendubel/Weltbild ist dennoch beachtlich. Während die Thalia-Gruppe im Geschäftsjahr 2005/06 mit 178 Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz 551 Millionen Euro umsetzte, kam die Münchener Konkurrenz in 465 Filialen auf 675 Millionen Euro. Dabei spielt das Handelsvolumen für die Buchhändler eine entscheidende Rolle. Sie nämlich entscheidet über die Rabatte, die ihnen die Verlage gewähren.

Die DBH hat sich ein rasantes Wachstum verordnet. Einerseits steckt das Unternehmen Millionen in große Läden der Marke Hugendubel. Andererseits werden laufend neue, kleinere Filialen unter dem Namen „Weltbild plus“ eröffnet. Bis Mitte 2008 sollen 35 zusätzliche Geschäfte die Türen öffnen.HB

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