Buchmarkt : Buchhandel gewinnt wieder Kunden

Buchläden verzeichnen wieder ein Umsatzplus – Onlinehändler wie Amazon verlieren leicht. Die Branche geht in die Offensive gegen den Internetkonzern.

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Analog mit Netzanschluss. Klassische Buchhändler machten 2013 nach langer Zeit wieder etwas mehr Umsatz.
Analog mit Netzanschluss. Klassische Buchhändler machten 2013 nach langer Zeit wieder etwas mehr Umsatz.Foto: Imago

Seit Jahren macht der Versandhändler Amazon den klassischen Buchhändlern und Verlagen das Leben schwer. Doch jetzt geht die Branche in die Offensive: „Wir prüfen eine Kartellbeschwerde wegen Missbrauch der Marktmacht und faktischer Erpressung der Verlage“, sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels am Dienstag.

Der Interessenverband sieht sich gestärkt durch ein erkennbares Umsatzplus im vergangenen Jahr und überraschende Erfolge im stationären Buchhandel. Nach zuletzt hohen Wachstumsraten gingen 2013 im Internet die Erlöse um 0,5 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro zurück. Die stationären Händler erzielten nach langer Durststrecke ein Plus von 0,9 Prozent und kamen auf 4,64 Milliarden Euro.

Hintergrund der angekündigten Kartellbeschwerde sind die Forderungen von Amazon an Verlage, die Rabatte für elektronische Bücher von 30 auf 50 Prozent und mehr zu erhöhen. Gehe man darauf nicht ein, so Skipis, drohe der Versandhändler damit, gebundene Bücher nur noch verzögert zu verschicken oder ganz aus dem Sortiment zu nehmen. „Das ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein kulturpolitisches Problem.“ Wann der Börsenverein die Beschwerde einreicht, ließ Skipis offen. Seiner Auffassung nach müsste das Kartellamt aber eigentlich im Fall Amazon selbst aktiv werden. Schließlich habe der Versandhändler bei E-Books einen Marktanteil von 40 Prozent.

Multi-Kanalangebote helfen dem Buchhandel

Das Geschäftsgebaren von Amazon, aber auch die Debatten um die dortigen Arbeitsbedingungen spielen den Verlagen und klassischen Buchhändlern in die Hände. Nach Angaben von Skipis und von Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins, wenden sich mehr und mehr Buchkäufer von Amazon ab und kaufen wieder im klassischen Buchhandel. „Der Buchhandel hat mit seinem Multi-Kanalangebot die Digitalisierung und das Internet als Chance erkannt“, ist Skipis überzeugt. „Die Verbindung von sofortiger Lieferbarkeit, gebundenem Preis und individueller Beratung im Buchhandel ist kaum zu verbessern“, ergänzte Riethmüller, der auf den eigenen E-Book-Reader des Buchhandels verwies.

Insgesamt hat der Umsatz von Verlagen und Buchhandel im vergangenen Jahr leicht um 0,2 Prozent auf 9,53 Milliarden Euro zugelegt. Insgesamt war 2013 das beste Jahr für die Händler seit 2007. Die Probleme bei Weltbild und bei Hugendubel seien, so Vorsteher Riethmüller, kein Indiz für die Lage der Branche, sondern beruhten auf unternehmerischen Problemen. Gleichwohl sei die Umsatzrendite der Buchhändler mit in der Regel maximal drei Prozent nicht sehr üppig.

Im Gegensatz zum stationären Buchhandel mussten Internetanbieter erstmals überhaupt einen Rückgang hinnehmen. In den Jahren davor war es jeweils zweistellig nach oben gegangen. Bedenklich sieht es für den Versandhandel aus: Hier gab es einen Einbruch um mehr als zwölf Prozent auf einen Umsatz von nur noch 220 Millionen Euro.

E-Books sind sehr gefragt

Weiter zulegen konnten E-Books, allerdings langsamer als Experten erwartet hatten. 2013 kletterte der Anteil am gesamten Buchumsatz von 2,4 auf 3,9 Prozent. In den USA liegt er bereits bei rund 20 Prozent. Verkauft wurden hierzulande 21,5 Millionen elektronische Bücher, ein Plus von rund 60 Prozent gegenüber 2012 und von gar 400 Prozent gegenüber 2011. Sie werden zu drei Viertel über das Internet verkauft – zunehmend auch von den Online-Plattformen der Verlage und des stationären Buchhandels. Zwei Drittel aller deutschen Verlage und knapp 80 Prozent der Buchhändler bieten mittlerweile E-Books an. Grund für das zunehmende Interesse ist auch der Preis: E-Books sind nach Angaben von Riethmüller in sehr vielen Fällen um bis zu 20 Prozent günstiger als die gedruckten Ausgaben.

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